Selbstständiges Optikerhandwerk

Aus der Festschrift „130 Jahre selbstständiges Optikerhandwerk in Österreich“

130 Jahre InnungZu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Österreich noch kein Optikerhandwerk. Die Versorgung der Bevölkerung erfolgte, soweit es die damaligen Möglichkeiten erlaubten, durch die Schleifer von optischen Gläsern und die Brillenmacher. Die durchschnittliche Arbeitszeit war im Sommer von 6 Uhr früh bis 7 Uhr abends, im Winter von 7 Uhr früh bis 7 Uhr abends mit 1/2 Stunde Frühstückspause, 1 Stunde Mittagspause und 1/2 Stunde Jausenzeit. Glasschleifer verdienten 7-15 Gulden / Woche, Taglöhner nur etwa 6 Gulden / Woche. Das Material für die Fassungen, im wesentlichen Horn, Schildpatt und Metall, sowie die Arbeitsmethoden, die die alten Brillenmacher anwendeten, führten zu Ihrer Eingliederung in die Genossenschaft der Maschinenfabrikanten und Mechaniker.

Eine Brille aus Stahl oder Büffelhorn kostete um 1853 einen Gulden und 36 Kreuzer. Wollte man die Brille in gehämmerten Silber, so musste man bereits fünf Gulden berappen.

Optikerhandwerk Preise 1853 1     Optikerhandwerk Preise 1853 2

Die steigende Bedeutung des Optikerberufes brachte 1867 die Gründung der Genossenschaft der Optiker mit sich. Damals bestanden in ganz Österreich etwa 90 Optikerbetriebe – davon 50 allein in Wien.

1866 Gründung einer Genossenschaft der Optiker 1866 Gründung einer Genossenschaft der Optiker
Auszug aus den Originalakten des Jahres 1866 über die Gründung einer Genossenschaft der Optiker

Am Anfang erfolgte die Berufsausbildung ausschließlich in den Werkstätten mit einfachen Erzeugungsmethoden. Die Optiker „der ersten Stunde“ mußten vom Rohstoff bis zum fertigen Erzeugnis alle Arbeitsphasen noch selbst durchführen. Alsbald setzte jedoch ein rascher Aufstieg ein. Das Optikergewerbe folgte der beginnenden Industrialisierung, die Optikerbetriebe wurden größer und der Ausbildungsstandard ständig und gründlich intensiviert.

1867 Statuten der Optiker-Genossenschaft, Wien
Auszug aus den Statuten der Optiker-Genossenschaft, Wien 1867

Ende des 20 Jahrhunderts waren in Österreich bereits etwa 850 selbstständige Optikerbetriebe gemeldet. Aufgrund der Gewerbeordnung, Handelskammerordnung und des Medizinproduktegesetzes ist die Berufsausübung gesetzlich geregelt. Der heute aufwendig gestaltete Ausbildungsgang gründet sich auf eine dreieinhalbjährige Lehrzeit in einem Meisterbetrieb mit gleichzeitigem Besuch einer Berufsschule für Augenoptiker. Analog dazu können Erwachsene eine Ausbildung im zweiten Bildungsweg absolvieren. Nach dieser Lehrzeit kann die Lehrabschlussprüfung (Gesellenprüfung) abgelegt werden. Danach kann zur Meisterprüfung angetreten werden. Neben dem praktischen Teil, den physikalischen und brillentechnischen Kenntnissen wird ein starkes Augenmerk auf Anatomie, Pathologie und Physiologie der Augen Wert gelegt. Ein weiterer Schwerpunkt bildet die exakte Brillenglasbestimmung in Theorie und Praxis.

Mit ihrem fachlichen Wissen und handwerklichen Können sind die österreichischen Augenoptiker und Optometristen die ersten Ansprechpartner wenn es um gutes Sehen geht. Seit Beginn des 3. Jahrtausends können Augenoptikermeister mit Kontaktlinsenkonzessionsprüfung ein Studium zum Master of Science in klinischer Optometrie und danach ein Doktoratsstudium absolvieren.

 


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