1876 – Verletzungen des Auges

Ferdinand Ritter von Arlt
Professor der Augenheilkunde an der Wiener Universität
Englische Ausgabe von Chas. S. Turnbull

Verletzungen des Auges und deren gerichtsmedizinischer Aspekt
Originaltitel: „Injuries of the eye and their medico-legal aspect“

Arlt - Verletzungen des Auges und deren gerichtsmedizinischer Aspekt

Vorliegendes Buch stellt ein seltenes Werk über die gerichtsmedizinischen Aspekte der Augenheilkunde im 19. Jahrhundert dar. Gegenständliches Kapitel über simulierte Fehlsichtigkeiten und Augenkrankheiten behandelt die Methoden und Entlarvung innovativer Militärdienstverweigerer oder Personen mit anderen Beweggründen.

Ferdinand Ritter von Arlt

Die Beschreibung reicht von der Selbstverstümmelung bis zur nahezu perfekt simulierten Kurzsichtigkeit. Manche Leute nahmen starke Schmerzen und den Verlust des Sehvermögens in Kauf, andere begnügten sich mit einer mehr oder weniger guten schauspielerischen Darbietung. Allen voran war natürlich das Militär an einer Entlarvung von „Drückeberger“ interessiert.

Der bekannte Prager Ophthalmologe Ferdinand Ritter von Arlt (1812-1887) beschreibt unter anderem die Entlarvung vorgetäuschter Kurzsichtigkeit mittels Atropin und Ophthalmoskop. Das Ophthalmoskop wurde gerade 27 Jahre vor Erscheinen dieses Buches von Helmholtz erfunden. Etwas schwieriger gestaltete sich die Enthüllung einer simulierter Schwachsichtigkeit. In der ausführlichen Abhandlung bezieht sich Arlt unter anderem auf seinen Kollegen Graefe, welcher sich besonders mit prismatischen Korrektionen befaßte.

Die Überführung einer vorgetäuschte Blindheit benötigte letztlich besondere detektivische Begabung. Zahlreiche Ideen zu deren Entlarvung belegen den Wissenstand dieser Zeit und zeigen uns zudem auch spektakuläre Denkansätze zu diesem Umfeld.

KAPITEL IV
AUGENKRANKHEITEN WELCHE GEKÜNSTELTE ODER VORGETÄUSCHTE URSACHEN HABEN

Vorgetäuschte Mydriasis

Laut Himly („Krankheiten und Mißbildungen“ Berlin, 1843, II. B., p. 123), läßt das oftmalige Auftauchen einer Mydriasis (6), in Verbindung mit dem Militärdienst, Mißtrauen entstehen; sobald die Personen das Spital erreichten waren alle Effekte verschwunden; ungeachtet dessen, kamen die Probleme immer wieder bis durch ein plötzlich, unverhofftes warmes Bad all die Probleme verschwanden. Die Simulanten gaben zu, auf Ratschlag eines Tierarztes, einen Tollkirschenextrakt angewendet zu haben, welche sie unter dem Nagel der großen Zehe versteckt hatten.

Vorgetäuschtes Catarakt

Laut Zander und Geissler (loc. cit., p. 531) passiert es, daß junge Männer um sich vor dem Militärdienst zu drücken, sich mit Hilfe einer feinen Nadel ein Catarakt (7) oder mittels öfterer Berührung der Cornea (8) mit dem Höllenstein eine opake (9) Cornea zufügen. Letzteres sollte vielleicht von anderen Gründen die zur Entstehung einer opaken Cornea führen, wie durch einen seltsamen, gräulich-schwarzen Farbton differenziert werden. (Argyrose (35))

Vorgetäuschte Kurzsichtigkeit

Wenn jemand angibt auf einem oder beiden Augen kurz- oder schwachsichtig zu sein, soll er betreffend der Distanz, auf die er ein Objekt definierter Größe wahrnehmen kann, untersucht werden; und ob eine Wahrnehmung auf eine größere Distanz mit concaven Gläsern verschiedener Brennweiten möglich ist. Sollte letzteres zutreffen ist gewiß eine Kurzsichtigkeit (10) präsent und die Brennweite der concaven Linse, mit dem relativ besten Sehen, soll zur Kennzeichnung des Grades der Kurzsichtigkeit (myopia) (10) dienen. Sollte zum Beispiel das fragliche Auge Gegenstände in einer bestimmte Distanz mit concave No. 11 oder No. 12 klar erkennen, aber weniger klar mit concave No. 14, sollten wir zum Schluß kommen, daß die Myopie (10) 1/12 beträgt. Wenn entfernte Objekte immer mit concaven Gläsern gesehen werden können (die zu untersuchende Person muß nicht wissen welches Glas vorgehalten wird) welche auch emmetrope (11) Augen in der selben Distanz und bei gleichen Lichtverhältnissen ohne Hilfe von Gläsern gesehen werden können, dann ist die behauptete oder angenommene Myopie (10) zu einer Hypermetropie (12) geworden.

Wie auch immer, es muß als Faktum angesehen werden, daß manche, speziell junge Personen, durch Übung Erfolg haben und mehr oder weniger starke concave Linsen mittels einer geübten Akkommodation (13) ausgleichen und dies dann eine hochgradige Myopie (10) simuliert. Durch die Lähmung der Akkommodation (13) mittels mehrmaligem Eintropfen von Atropin (14) wird dieser Trick aufgedeckt. Gleichzeitig besitzen wir mit dem Ophthalmoskop (15) über einen zuverlässigen und erfolgreichen Test. Mit ihm können wir, wie jeder der mit dem Gerät vertraut ist weiß, die Fehlsichtigkeit unabhängig von allen Angeben der zu untersuchenden Person ermitteln.

Vorgetäuschte krankhafte Schwachsichtigkeit

Die Bestimmung des Sehschärfengrades (16) ist schwieriger, wenn die zu untersuchende Person ein Interesse an der Vortäuschung einer Verminderung hat. Die Kurvatur und Transparenz der Cornea (8) sind betreffend reflektierender Bilder oder bei fokaler Beleuchtung (17) zu überprüfen. Ebenfalls zu überprüfen sind die anderen refraktiven Medien (18). Eine Herabsetzung der Sehschärfe durch einen regulären Astigmatismus (19) kann, wenn er nicht zu klein ist, mit dem Ophthalmoskop (15), genau so wie alle anderen Veränderungen am Augenhintergrund (Papille, Retina, Chorioidea (20)) welche eine Amblyopie (21) auslösen könnte, ermittelt werden. Die Sehschärfe (16) kann, warum auch immer, ungeachtet dessen nichts Abnormales entdeckt zu haben, entschieden herabgesetzt sein. Auch kann die Abweichung des Auges von einem Objekt, das vom anderen Auge fixiert wird, entweder konstant oder manchmal wenn sehr kleine Objekte angesehen werden, für eine verringerte Sehschärfe im abweichenden Auge sprechen, vorausgesetzt, daß der Grund einer solchen Abweichung nicht in einem abnormalen oder unterschiedlichen refraktiven Zustand der Augen zu suchen ist. Das von der binokularen Fixation (22) ausgeschlossene Auge weicht üblicherweise, wegen der herabgesetzten Sehschärfe (16), etwas nach außen ab, meistens in einem so schwachen Winkel, daß die inkorrekte Sehachse, im Vergleich zur der dem Objekt angeblickten, nur bei näherer Untersuchung festgestellt werden kann. Das nicht aktive Auge verrät seine frühere Abweichung meistens durch eine Bewegung von der inkorrekten zur korrekten Position, wenn eine Blende zwischen dem funktionierenden Auge und dem fixierten Objekt eingebracht wird. Sogar das Fehlen dieser Erscheinung kann noch keinen Ausschluß der Möglichkeit eines herabgesetzten Sehschärfengrades (16) rechtfertigen, insbesondere bei kürzlich entstandenen Ursprungs.

Viele amblyopen (21) Augen, mit wie bereits erwähnten negativen Erscheinungen, sehen nähere Objekte (immer unter Berücksichtigung des Grades der Fehlsichtigkeit) besser, wenn starke konvexe Linsen vorgehalten werden, weil dadurch größere Bilder auf der Retina (20) abgebildet werden. Das spricht für die untersuchte Person, aber nur in Fällen wo trotz mehrerer Versuche keine widersprüchliche Aussage herauslockt werden konnte. Die Aufzeichnung der Aussagen, bei den Versuchen mit conkaven und convexen Gläsern unterschiedlicher Brennweiten, wird damit zur Regel. Es ist damit ausreichend falsche Aussagen aufzudecken. Im Glauben, daß wir ihm eine conkave oder convexe Linse vor sein Auge halten, obwohl wir ein Planglas (23) gewählt haben, erklärt der Simulant, daß die Objekte näher rücken oder größer erscheinen, verkleinert, etc.

Vorgetäuschte Blindheit eines Auges

Wenn behauptet wird, daß ein Auge total erblindet ist, obwohl seine funktionelle Unversehrtheit nichts erleidet hat oder nur insofern, daß es von einem binokularem Sehen (24) ausgeschlossen ist, wird grundsätzlich die Reaktion der Iris (25) aufzeigen, ob wir es mit einem Aufbauschen oder Simulieren zu tun haben. Das sehende Auge wird mit einem Tuch abgedeckt, damit wir sicher sein können, daß kein Licht eintreten kann. Danach soll das zu untersuchende Auge zum Himmel blicken und wir projizieren, ohne das er dies bemerkt, unvermutet einen Schatten, z.B. durch eine Hand, über sein Auge. (Vorausgesetzt er ist amauros (26)). Sollte die Iris (25), sobald der Schatten entfernt wird, eine eigenständige Tendenz zu einer Kontraktion der Pupille aufweisen und das Auge seine Position beibehalten, ist letztlich eine quantitative Lichtwahrnehmung vorhanden; dies kann noch genauer beurteilt werden durch die Schnelligkeit und Ausdehnungsgröße der Iris (25). Das Fehlen einer solchen Ausdehnungsbewegung rechtfertigt jedoch keine Entscheidung betreffend eines Verlustes aller qualitativer oder quantitativer Wahrnehmungen, es könnte z.B. auf eine Beschädigung in der Leitung der Ciliarnerven (27) hindeuten. (Iridoplegie (27)). Sollte letzteres ihre Ursache in einer Trägheit und Unempfindlichkeit der Iris zu finden sein, wird es auch nach freigeben des gesunden Auges, bei Änderungen der Beleuchtung wie beschrieben durch Abschatten, manifest sein. Sollte ein totaler oder teilweiser Verlust von Wahrnehmungen auf Teilen der Retina (20) des zu untersuchenden Auges die Ursache der verzögerten oder mangelnden Reaktion der Iris (25) sein, wird letzteres zumeist oder gänzlich auch im gesunden Auge fehlend sein, wenn das andere Auge abwechselnd beleuchtet und abgeschattet wird.

Graefe hat uns, durch die Verwendung prismatischer Gläser (28), ein exzellentes Hilfsmittel zur Ermittlung einer simulierten, einseitigen Amaurose (26) gegeben. („A. f. O.“ II. a. 266.) Wird ein Prisma, mit einer Refraktion von 15-20 Grad (28), mit seiner Basis (29) nach oben oder unten, vor das gesunde Auge gehalten, während die zu untersuchende Person angewiesen wird seine Augen auf eine mehrere Fuß entfernte Kerzenflamme zu richten, und danach aussagt, daß er zwei Flammen, eine darüber und eine darunter sieht, so ist dies der positive Beweis, daß er die Flamme auch mit dem angeblich amaurosen (26) Auge sieht. Falls ein einzelner Befragter mit diesem Trick vertraut wäre, könnte dieser sagen er sehe nur ein Bild. Er wird trotzdem überführt werden. Wir halten das Prisma (28) nun mit der Basis (29) horizontal so, daß es abwechselnd die halbe oder ganze Pupille abdeckt. Sollte er bestreiten doppelt zu sehen, wenn die halbe Pupille vom Prisma (28) abgedeckt ist, brauchen wir nicht mehr länger zu zweifeln, daß er ein Betrüger ist.

Welz („Klin. Monatsbl.“ 1867, p. 292) hat uns eine andere Verwendung prismatischer Gläser (28), zur Überführung einer simulierten einseitigen Ablyopie (21) oder Amaurose (26) gezeigt, welche beim Wissen um ein binokulare Sehen (24) anwendbar ist, aber auch darauf ausgerichtet ist die meisten geübten Simulanten zu demaskieren. Wenn wir, nachdem binokulares Sehen vermutet wird, vor das eine oder andere Auge ein Prisma mit 15-20 Grad (28) halten, seine Basis (29) innen oder außen zeigend, geht die momentan verursachte Diplopie (30) nach ein paar Sekunden wieder in ein Einfachsehen über, währenddessen eine unfreiwillige Veränderung der Sehachsen durch eine Augendrehung um ihre vertikale Achse stattfindet. Nehmen wir nun an, daß uns das linke Auge als amauros (26) präsentert wurde. Der Betreffende blickt auf ein Objekt, welches in seinem sichtbaren Bereich liegt. Wenn wir nun ein Prisma (28), nehmen wir eines mit 12 Grad, von unten an das rechte Auge heranführen so, daß wir ihn gut von oben beobachten können und der Untersuchte sagt er sieht doppelt, ist erwiesen, daß er auch mit dem linken Auge sieht. Sollte er aussagen einfach zu sehen, müssen wir das rechte Auge beobachten während wir das Prisma (28) hinunter bewegen und die Person angewiesen ist weiter auf das Objekt zu Blicken. Wenn sein rechtes Auge, im Moment wir das Prisma entfernen, eine Einwärtsbewegung macht, hat die Person unzweifelhaft ein binokulares Sehen (24). Beim Vorschieben des Prismas (28) mit seiner Basis (29) zu Nase zeigend, wird das Bild des Objekts von der macula lutea (31) nasal (32) verschoben. Die Diplopie (30), durch ihre unfreiwillige und unwiderstehliche Ursache entstanden, verschwindet durch die Drehung der macula lutea (31) zu nasalen Seite (32), mittels einer Zunahme der Kontraktion des musculus rectus lateralis (33). Damit bewegt sich natürlich das corneale (8) Zentrum zur temporalen Seite (34). Wenn nun das Prisma (28), unter weiterer Fixierung des Objektes, entfernt wird, verursacht selbige Diplopie (30), um einfaches Sehen entstehen zu lassen, die Entspannung der verstärkten Kontraktion des musculus rectus temporalis (33) und das Auge erlebt eine sichtbare Bewegung, bis das Bild des Objekts wieder auf die macula lutea (31) fällt. Die Bewegung des Auges, unmittelbar nach Entfernung des Prismas (28), beweist unwiderlegbar binokulares Sehen (24) während das Objekt angeblickt wurde.

Kugel („A. f. O.“ XVI., a. 343) empfiehlt, für das Entdecken einer simulierten einseitigen Amblyopie (21) oder Amaurose (26), ein Vorhalten farbiger Gläser vor die Augen. „Um die Simulation zu entdecken, wird das dunkel gefärbte und durchsichtige Glas vor das angeblich blinde Auge gehalten. Das andere gleich gefärbte aber undurchsichtige Glas wird vor das als sehend ausgewiesene Auge plaziert.“ Dies macht man erst nachdem vorher vielfach mit zwei verschiedenen getönten aber durchsichtigen Gläsern gearbeitet wurde.

Anmerkungen von Optiker Online!

(1). Ophthalmia artificialis, vorgetäuschte Augenentzündung
(2). Blepharitis ex-ulcerus, schuppende Lidrandentzündung mit geschwürigem Zerfall – die Wimpern wachsen bei dieser Art der Blepharitis nicht nach
(3). Ulcus, Geschwür
(4). Conjuktivalsack, oberer und unterer Bindehautsack – der untere Bindehautsack ist leicht einzusehen, wenn das Unterlid leicht nach unten geschoben wird
(5). blennorrhoeale Augenerkrankung, infektiöse Bindehautentzündung
(6). Mydriasis, Erweiterung der Pupille
(7). Catarakt, Linsentrübung, grauer Star
(8). Cornea, Hornhaut
(9). opak, trüb, undurchsichtig
(10). Myopie, Kurzsichtigkeit
(11). Emmetropie, Rechtsichtigkeit
(12). Hypermetropie, Übersichtigkeit
(13). Akkommodation, Fähigkeit des Auges auf Dinge in der Nähe scharf einzustellen, durch Kontraktion des Ziliarmuskels läßt der Zug der Zonulafasern auf die Linse nach – diese verstärkt ihre Wölbung durch eigene Spannung – die Brechkraft nimmt zu
(14). Atropin, erweitert die Pupille und lähmt die Akkommodation – es ist so wirksam, daß ein Millionstel Gramm zur Pupillenerweiterung genügt.
(15). Ophthalmoskop, Augenspiegel, 1851 von Helmholtz erfunden – er hat damit der Diagnostik ein ganz neues Feld erschlossen, da mit ihm u.a. der Augenhintergrund untersucht werden kann oder Fehlsichtigkeiten, ohne Angaben der zu untersuchenden Person, ermittelt werden können
(16). Sehschärfe, Fähigkeit des Auges scharf zu sehen; der Sehschärfengrad (heute angulare Sehschärfe) ist der kleinste Winkel [Minuten], unter dem zwei Punkte dem Auge erscheinen dürfen, damit sie gerade noch getrennt wahrgenommen werden
(17). fokale Beleuchtung, die Lichtquelle (damals Kerze) wurde seitlich vor die zu untersuchende Person gebracht – dann konzentriert man durch eine starke Konvexlinse (15-20 dpt) die darauf fallenden Strahlen zu einem Lichtkegel, dessen Spitze man auf die zu untersuchende Stelle der Hornhaut richtete
(18). Refraktive Augenmedien, Hornhaut, Kammerwasser, Augenlinse, Glaskörper
(19). regulärer Astigmatismus, Hornhautverkrümmung – mit astigmatischen Brillengläsern oder Kontaktlinsen korrigierbar; zum Unterschied irregulärer Astigmatismus als Folge von Vernarbungen der Hornhaut u.a.
(20). Papille, Retina, Chorioidea, Sehnervenaustritt, Netzhaut, Aderhaut
(21). Amblyopie, Schwachsichtigkeit eines Auges, Phänomen welches u.a. häufig bei einseitigen Schielern auftritt um ein störendes Doppelbild zu unterdrücken (Dr. Leydecker, Dr. Grehn, Augenheilkunde)
(22). binokularen Fixation, beide Augen fixieren ein Objekt
(23). Planglas, Linse mit Nullwirkung
(24). binokulares Sehen, das Sehen bei beidäugiger Wahrnehmung
(25). Iris, Regenbogenhaut – regelt den Lichteinfall in das Auge, bestimmt unsere Augenfarbe
(26). Amaurose, amauros, vollständige Erblindung
(27). Ciliarnerven, Iridoplegie, durch einen zu hohen inneren Augendruck werden die Ziliarnerven komprimiert und gelähmt – dadurch entsteht eine Unempfindlichkeit der Hornhaut sowie eine Lähmung der Regenbogenhaut (Iridoplegie) die sich in einem Verlust der Pupillenreaktion und einer Pupillenerweiterung äußert (Dr. Ernst Fuchs, Lehrbuch der Augenheilkunde, zu Symptome des Glaukoms)
(28). Prisma, mit einer Refraktion von 15-20 Grad, Prismen bewirken eine Lichtablenkung – in diesem Fall 15-20cm Ablenkung auf eine Distanz von 1 Meter.
(29). Basis, im Bezug auf Prismen – die Basis befindet sich gegenüber der Keilspitze am „dickeren Teil“ des Prismas, Lichtstrahlen werden immer in Richtung Basis abgelenkt
(30). Diplopie, Doppelbild – doppelt sehen
(31). macula lutea, Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, welche im Normalfall von der optischen Achse durchstoßen wird
(32). nasal, Richtung innen – Richtung Nase
(33). musculus rectus lateralis, gerader äußerer Augenmuskel – u.a. für die Drehung des Auges nach außen verantwortlich
(34). temporal, Richtung außen – entgegengesetzt zur Richtung Nase
(35). Argyrose, entsteht bei der monatelangen Behandlung der Bindehaut mit einer Silberlösung – es entsteht eine schmutzig graue Verfärbung der Bindehaut durch die Einlagerung in das Gewebe – wurde öfters bei Silberarbeitern beobachtet
(36). Höllenstein, in Stäbchenform gegossenes Silbernitrat – ruft eine chemische Verschorfung hervor (Kurzes Handbuch der Ophthalmologie, Springer Verlag, 1932)

Personenregister

(a). Ferdinand Ritter von Arlt, geb. 18.04.1812 in Ober-Graupen (heute Krupka, CZ), gest. 07.03. 1887 in Wien,, Autor des vorliegenden Buchabschnittes; lehrte zuerst in Prag, von 1858-1883 Professor der Ophthalmologie an der Wiener Universität; benutzte als einer der ersten Ärzte Jodsalben zur Katarakttherapie. Weiters verwendete er chemische Ätzmittel zur Augentumorbehandlung (Kurzes Handbuch der Ophthalmologie, Springer Verlag, 1932);
Werke: Die Krankheiten des Auges. Berücksichtigt in seinem großen Lehrbuch als einer der ersten die Pathologie und Histologie und leitet so eine völlige Reform der Augenheilkunde ein. Klinische Darstellung der Krankheiten des Auges zunächst der Binde-, Horn- und Lederhaut dann der Iris und des Ciliarkörpers
(b). Chas. S. Turnbull, übersetzte 1878 vorliegenden Buchabschnitt ins Englische; amerikanischer Augen und Ohrenarzt im 19.Jhd.
(c). A. Mackenzie, Augenarzt Ende 19. Jhd. – Anfang 20. Jhd.
(d). A. v. Graefe, Ophthalmologe, 22. Mai 1828 – 20.07.1870.
Nach dem Medizinstudium in Berlin unternahm Graefe Studienreisen, die ihn unter anderem nach Prag, Paris, Wien und London führten. Auf seinen Reisen lernte er beim Prager Ophthalmologen Ferdinand Arlt (1812-1887), Eduard Jaeger (1818-1884) in Wien und Frans Cornelis Donders (1818-1889) in London.
Seit 1854 stellte er gemeinsam mit Arlt und Donders die Fachzeitschrift „Archiv für Ophthalmologie“ her.
Er befaßte sich intensiv mit der Augenmuskulatur und behandelte operativ das Schielen (Strabismus). Er befaßte sich bereits damals mit der Bestimmung und Korrektion von Winkelfehlsichtigkeiten (Graefe-Prisma, dissozierendes Höheprisma, Heinz Diepes, Refraktionsbestimmung) und starb bereits im Alter von 42 Jahren an Lungentuberkulose.


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