1801 – Handbuch der Erfindungen

Über die Erfindung der Brille und die Verwendung von Bernstein als Brillenglas

1801 Erfindungen

Von J.L.Busch
Titelei, Prag im Hause des Franz Haas

Vorwort von Optiker Online!

Einblicke in die Sichtweise des ausklingenden 18. Jahrhunderts hinsichtlich optisch, physikalischer Entwicklungen gibt das 1801 erschienene Handbuch der Erfindungen. In ihm werden technische Meisterleistungen und die Entstehungsgeschichte der Brille, des Brennglases, des Brennspiegels, der Camera Obscura und des Fernrohres beschrieben.

Die Brille

besteht aus 2 geschliffenen durch eine Einfassung mit einander verbundenen Gläsern, durch welche die Gegenstände den Augen deutlicher erscheinen. Einige setzen die Zeit ihrer Erfindung in das Jahr 1205 und schreiben sie den Italienern zu, behaupten aber, daß der erste Erfinder seine Kunst sehr geheim gehalten habe. Diese Jahrzahl scheint mir verdächtig, vielleicht soll die 0 eine 9 seyn; wenigstens kenne ich für dieses Jahr weiter keinen Beweis, als den unten angeführten a). Der Engländer, Roger Baco, der 1284 starb, gedenkt der Brillen und in Deutschland waren sie schon um 1270 bekannt; denn Mißner, ein alter deutscher Dichter, der um diese Zeit schrieb, gedenkt ihrer in der Sammlung der Minnesänger und sagt ausdrücklich, daß alte Leute sich ihrer zum Lesen bedient hätten b). Doktor Franziscus Redi fand eine alte Handschrift, in welcher, wie er dem Paul Falconieri in einem Briefe schrieb, der Brillen ohngefähr um das Jahr 1299 als einer neuen Erfindung gedacht wird c), welche Zeit derjenigen nahe kommt, in welcher einige die Erfindung der Brillen dem Florentiner Salvino degli Armati zuschreiben d). Redi berichtet ferner, daß der erste Erfinder seine Kunst geheim gehalten habe, aber Alexander de Spina, ein Mönch des Dominikanerklosters der heil. Catharina zu Pisa, habe der Sache weiter nachgedacht und die Kunst, Brillengläser zu schleifen, aufs neue erfunden e). Aus einem Manuscript einer alten Chronik des benannten Klosters erhellet, daß Alexander de Spina 1313 starb f). Man sieht hieraus, daß weder Salvino degli Armati, noch Alexander de Spina die ersten Erfinder der Brillen sind, weil man sie schon 1270 in deutschland kannte. Im Jahr 1691 wurden die Brillen aus Bernstein von Christian Porschinen zu Königsberg in Preußen erfunden; wenn der Bernstein geschliffen war, sott er ihn in Leinöl, wodurch er die gelbe Farbe verlor und durchsichtig wurde g).

Über die Erfindung des Brennglases

Ein Brennglas ist ein auf einer Seite oder auf beyden Seiten erhabenes geschliffenes linsenförmiges Glas von beliebiger Größe, welches die Sonnenstrahlen so durchläßt, daß sie sich nach dem Mittelpunkte des Glases zu, brechen, und hinter dem Glase in einem Punkt, den man den Brennpunkt nennt, vereinigen. Schon de la Hirea a) hat aus einer Stelle des Aristophanes b) erwiesen, das die Alten die Kunst, durch erhaben geschliffene durchsichtige Steine die Sonnenstrahlen zu sammeln, Dinge dadurch erwärmen und zu zünden, verstanden, obgleich diese Kunst unter ihnen nicht gemein war. Daß sie durchsichtige Steine kanten, bestätigt auch Plinius, welcher erzählt, daß man einen crystallartigen Stein in Scheiben gespalten und Fenster daraus gemacht habe. Auch ist es gewiß, daß die Alten vermittelst einer mit Wasser angefüllten Kugel Dinge anzuzünden wußten d). Wenn man aber schon damahls einige Kenntniß von den Brenngläsern hatte: so ist es gar wohl möglich, daß, wie einige behaupten, der Engländer Roger Baco, ein Franziskaner, der gegen 1290 starb, dieselben schon kannte. Vor Tschirnhauses Zeit hatten die größten Brenngläser, die man auf den Handschleifmühlen machen konnte, nicht viel über 3/4 Schuh im Durchschnitt der Breite; allein Ehrenfried Walther von Tschirnhausen, ein sächsischer Edelmann, der 1651 gebohren wurde, erfand eine Maschine zum Schleifen, die vermittelst verschiedener Kammräder durch das Wasser getrieben wurde und ihn in den Stand setzte, Brenngläser, die zwey Ellen im Durchschnitte hatten, zu verfertigen, welches man vorher auf den Handschleifmühlen nicht konnte. Bey diesen großen Brenngläsern, wovon eins 60, 70 bis 80 Pfund wog, fiel der Brennpunct zwey Ellen weit hinaus; Luft und Wind konnten also die Sonnenstrahlen hin und her bewegen und ihre Wirkung schwächen. Tschirnhausen erfand daher, noch ein anderes kleineres Glas, welches das Collectivglas genannt wird, das durch drey Stangen mit dem größeren in solcher Entfernung verbunden war, daß es die Strahlen aus dem größeren auffieng, sie in einem kleinern Punkt zusammen drängte und den Brennpunkt verkürzte. Mit einem solchen doppelten Brennglase zündete Tschirnhausen in drey bis vier Minuten nasses Holz an, schmelzte alle Metalle und verwandelte Schiefersteine, Kieselsteine, Bimstein und Asbest in Glas e). Mit einem anderen sott er Fische und Krebse in Wasser, verwandelte Papier, Leinen und Gras erst in Asche und diese dann in Glas; auch verlor der morgenländische Rubin darunter seine Farbe f). Ein anderes Brennglas oder vielmehr eine Brennmaschine lehrte Hertel zu verfertigen g). Man befestigt nähmlich zwey auf einer Seite platt, auf der anderen erhaben geschliffene Gläser über einem eisernen Ringe am Rande herum mit einem Kitt, so daß die erhabenen Seiten der Gläser auswärts stehen; in den Zwischenraum füllt man durch ein in dem eisernen Ringe befindliches, mit einer zinnernen Schraube versehenes Loch, reines Wasser, worauf die Maschine zu einem Brennglase dient, an welches man auch ein Collectivglas befestigen kann; doch kommt die Wirkung desselben den Tschirnhausischen Brenngläsern nicht bey, indem das Wasser die Gewalt der Strahlen schwächt. Brenngläser mit zwey Brennpuncten, die also an zwey verschiedenen Orten, von ungleicher Weite, zugleich zünden, lehrte Leutmann h) zu verfertigen. Die Brenngläser aus Bernstein wurden durch Christian Porschinen, in Königsberg in Preußen, 1691 erfunden, welcher den Bernstein, nachdem er geschliffen war, in Leinöl sott, damit er durchsichtig und weiß wurde. Anfangs hatten diese Brenngläser nur die Größe eines Zweygroschenstücks i). Auch das Eis, wenn es erhaben geschliffen wird, gibt ein Brennglas, welches jedoch von kurzer Dauer ist.

a) Histoire de l’Academie royale de sciences 1703. p. 137.
b) Aristophanes Wolken, II. Act. I. Scene.
c) Plin. XXXVI. 22.
d) Plin. XXXVI und XXXVII. s. auch Lactantius de ira Dei.
e) Acta erudit. 1691. M. Novembr.
f) Acta erudit. 1691. M. Septembr.
g) Hertels Anweisung zum Glasschleifen p. 52.
h) In seinen Anmerkungen zum Glasschleifen. 5.
i) Univers. Lex. III. p. 1401.

Brennlinie

Die Brennlinie ist eine krumme Linie, welche durch die Punkte gebildet wird, in denen sich die von einer andern krummen Linie zurückprallenden Strahlen durchschneiden. Ehrenfried Walther von Tschirnhausen ist der erste der diese Linien erfunden und ihre Natur gegen 1682 untersucht hat a). Auch auf die Brech-Brennlinien oder diejenigen krummen Linien, welche gebildet werden, wenn die Lichtstrahlen, die im Durchgange durch eine krumme Linie gebrochen werden, einander durchschneiden, war schon Tschirnhausen gefallen, er untersuchte aber ihre Natur nicht weiter. Huygens hat zuerst eine solche Linie erklärt, nemlich die, welche durch die Strahlen gebildet wird, die in einem Zirkel parallel einfallen. Der ältere Bernoulli hat 1693 zuerst eine allgemeine Theorie der Brech-Brennlinien bekannt gemacht b).

a) Acta erudit. 1682. p. 364.
b) Acta erudit. 1693. p. 244.

Brennpunkt

Der Brennpunkt ist der Punkt, in welchem sich sowohl die gebogenen, als auch die zurückgeworfenen Strahlen des Lichts vereinigen und zünden. Auf die Verlängerung des Brennpunkts fiel Pater Kircher, der um 1631 berühmt wurde, zuerst, welcher dieselbe durch Zusammensetzung mehrerer planer Spiegel bewerkstelligte. Herr von Büsson hat dieses in unsern Zeiten weiter ausgeführt. s. Brennspiegel

Brennspiegel

Brennspiegel und Hohlspiegel sind Werkzeuge, deren hohl geschliffene und wie ein Spiegel glatt polirte Oberfläche die aufgefangenen Sonnenstrahlen in einer solchen Richtung zurückwerfen, daß sie sich vor den Hohlspiegeln in einen Punkt vereinigen und Dinge, die man unter diesen Brennpunct bringt, schmelzen oder anzünden. Sie werden nur aus dichten Materien, die kein Licht durchlassen, gemacht, daher auch die silbernen die vollkommensten sind. Uibrigens können sie, wenn man Bley und Zinn ausnimmt, aus allen Metallen, auch aus Mischungen von Kupfer und Zinn, aus Glockenspeise, aus Glas, das man auf der erhabenen Seite mit Spiegelfoli belegt, aus Gips, dessen Hohlung man vergoldet, aus hartem Holze, das man in Oel siedet und vergoldet, aus Pappe, Goldpapier, aus gefärbten Gerstenstroh, welches auf ein ausgehöhltes Holz geleimt und poliert wird, ja sogar aus Eis gemacht werden. Die sphärischen Brennspiegel, deren Höhlung einem von einer hohlen Kugel abgeschnittenen Stücke gleicht und die parabolischen Brennspiegel, in deren Höhlung eine solche Figur genau einpassen würde, welche gebildet wird, wenn man eine gewisse krumme Linie, die in der Mathematik Parabel genannt wird, um ihre Axe dreht, sind unter allen Brennspiegeln am besten, wenn man mit den Sonnenstrahlen Versuche machen will. Der erste Erfinder der Brennspiegel ist unbekannt; einige vermuten, Prometheus, ein asiatischer Fürst am Caucasus, der noch vor dem Jahr 2400 lebte, habe dergleichen schon gehabt und wollen zugleich dadurch die Fabel erklären, daß er das Feuer vom Himmel gestohlen habe a). So sinnreich aber auch das letztere ist, so wenig läßt sich doch das erstere beweisen. Einen anderen Grund für ihr frühes Daseyn könnte man aus der römischen Geschichte anführen. Der Vesta, deren Dienst vor Roms Erbauung in Italien bekannt war, wurde ein ewiges Feuer unterhalten; wenn dieses verlosch, durfte es nur mit dem reinsten Feuer, d. i. mit dem Feuer der Sonne wieder angezündet werden, welches nicht anders, als vermittelst eines Brennspiegels oder wenigstens eines Brennglases geschehen konnte. Andere wollen aus den Schriften des Mathematikers Euclides, der um 3690 berühmt war, vermuthen, daß er die Brennspiegel gekannt haben müsse, welches auch unwahrscheinlich ist. Am auffallendsten ist das, was man von einem der berühmtesten Mechaniker des Alterthums, nemlich von dem Archimedes, erzählt, welcher durch Hülfe der Brennspiegel die Flotte des römischen Kriegshelden Marcus Claudius Marcellus, als er im Jahre 3772 Syracus belagerte, verbrannt haben soll. Mit dem Verbrennen der Flotte kann es seine Richtigkeit haben, ob dieses aber durch Brennspiegel geschehen sey, daran zweifelt man nicht ohne Grund und vermuthet, das Archimedes dieses durch brennende Geschosse, die er vermittelst seiner Maschinen auf die Flotte des Marcellus warf, bewerkstelligt habe. Eine ähnliche Geschichte erzählt man von dem Proclus, einem Mathematiker aus Lydien, der um das Jahr 500 n. C. G. lebte und die Flotte des Vitalianus, welcher Konstantinopel belagerte, durch Brennspiegel verbrennt haben soll, welches aber auch noch Zweifeln unterworfen ist.

Den ersten grossen parabolischen Brennspiegel hat Johann Regiomontanus, der 1476 starb, gemacht b) und Drontius Finäus, Königl. Mathematiker zu Paris, schrieb 1551 sie erste gute Abhandlung über die Art und Weise dergleichen Brennspiegel zu verfertigen, welcher 15 Schritte weit brannte d); ausser diesem hatte der Jesuit Athanasius Kircher, der 1631 lebte, auf allen seinen Reisen durch fremde Länder keinen einzigen Brennspiegel gefunden, der den Brennpunkt weiter hinausgeworfen hätte. Kircher selbst war der erste, der durch Zusammensetzung vieler planer Spiegel eine Brennmaschine angab, wodurch der Brennpunkt sehr verlängert wurde. Er schlug nemlich vor, eine Mauer zu bauen, die auf der einen Seite eine solche Höhlung im Großen habe, wie man sie auf dem Brennspiegel im Kleinen findet; in dieser Höhlung der Mauer solle man mehrere plane Spiegel in gehörigen Zwischenräumen befestigen : so würden die davon zurückprallenden Sonnenstrahlen sich in einer Entfernung von 100 Schuhen in einem heftig brennenden Punkt vereinigen. Aus dieser Angabe könnte man wenigstens einigermassen die Möglichkeit begreiffen, wie Archimedes und Proclus Flotten durch Brennspiegel hätten anzünden können. Raphael Miranus, der es versuchte, eine Brennmaschine durch Zusammensetzung vieler planer Spiegel herauszubringen, fand, daß man deren wenigstens 24 dazu haben müsse. Der Graf von Büsson stellte eine Menge Planspiegel dergestalt, daß ihr Bilderzentrum in einer Entfernung von 200 Fuß Holz anzündete und Metalle in Fluß brachte, durch welchen Versuch die Wirkungen, die Archimedes und Proclus durch Brennspiegel hervorbrachten, noch begreiflicher werden *). Zwischen 1637 und 1657 machte Matmüller dem Kaiser Ferdinand III. einen Brennspiegel von Eis e). Die berühmtesten Brennspiegel sind die, welche Ehrenfried Walther von Tschirnhausen, ein sächsischer Edelmann, erfand. Der Einfall, Diamanten im Sonnenfeuer zusammen zu schmelzen und aus vielen kleineren einen grösseren zu machen, soll ihm die Veranlassung zu der Erfindung des großen Brennspiegels gegeben haben, den er gegen 1687 verfertigte f). Er war um 3/4 Ellen größer als der berühmte Parisische, hatte 3 Leipziger Ellen im Durchschnitt, war nur einen bis 2 Messerrücken dick und aus Kupfer gemacht. Mit ihm zündete Tschirnhausen das Holz unter dem Wasser an, kochte Eyer im Wasser, verwandelte Knochen, Bimstein und Ziegel in Glas von verschiedenen Farben und der Diamant wurde unter dem Brennpunkte bläsigt, unscheinbar und verlor seine Härte g). Der Ingenieur Neumann in Wien machte im Jahr 1699 Brennspiegel aus Pappe, überliegte sie mit Stroh und schmelzte Metalle damit h). Andreas Gärtner in Dresden machte einige von Holz, womit er Asbest schmelzte i). Isaac Newton, der 1726 starb, lehrte zuerst 7 Hohlspiegel so zu stellen, daß ihre Brennpunkte sich in einen einzigen vereinigten, dessen Wirkung dadurch außerordentlich vergrößert wurde k). Herr von Bernier erfand eine neue Art von Brennspiegel: er besteht aus einem in 2 grosse Stücken getheilten grössern Brennspiegel, die einem kleineren gegenüber stehen, der die Strahlen auffängt und zurückwirft; der grössere Brennspiegel, der nicht nur hierdurch, sondern auch durch Hülfe des Weingeists erhitzt wird, schmelzt in einer Entfernung von 8 Fuß ein jedes Metall in sehr kurzer Zeit l).

a) Hebenstreit. Dissertat. de Speculis ustoriis, p. 23.
b) Nützliches Allerley IV. S 124.
c) Traci de speculo ustorio, Paris 1551.
d) Paschii Invents Nov-antiqua p. 732. *) I. B. der Supplements von Bussons Naturhistorie, 1741, von dem langer Brennpunkt der Brennspiegel.
e) Palchii Inventa Nov-antiqua, p. 726.
f) Beschreibung einer Berlinischen Madaillen-Samml. von F. E. W. Möbsen 1773. S. 355.
g) Acta Erudit. 1687. p. 52.
h) Zahn Oculus artificalis p. 134.
i) Bericht von hölzernen Brennsoiegeln, Dresden 1705.
k) Derham Astro-Theology, VII. 1.
l) Lauenburgischer Geneal. Kal. 1776. S. 126.

Camera obscura

Camera obscura, verfinstertes Zimmer, ist ein dunkles Behältniß, das nur eine kleine Oeffnung hat, wudurch die Lichtstrahlen auf eine gegenüber stehende weisse Wand, auf ein weisses Tuch oder auf einen in gehöriger Entfernung angebrachten, mit weißem Papier überlegten Pappcylinder fallen und darauf die Gegenstände, die sich ausserhalb des Zimmers befinden und von der Sonne erleuchtet werden, mit natürlichen Farben im kleinen abbilden. Die älteste Art ist die unbewegliche Camera obscura, die aus einem verfinsterten Zimmer besteht, in welchen nur in dem einen Fensterladen ein kleines Loch gelassen wird; diese wird wieder eingetheilt in die natürliche Camera obscura, wo kein Glas in die Oeffnung gesetzt wird, und in die künstliche, wo die Oeffnung mit einem Glase bewaffnet wird. Erasmus Reinhold bediente sich schon 1540 des verfinsterten Zimmers, um eine Sonnenfinsternis zu beobachten, hieraus erhellt, daß der Neopolitanische Mathematiker, Johann Baptista Porta, nicht ihr erster Erfinder seyn kann, weil er sie erst 1560 in seiner natürlichen Magie beschrieb und da er 1615 starb, so konnte er kaum geboren seyn, als Reinhold sich des verfinsterten Zimmers bediente. So viel ist aber gewiß, das ihm beyde genannte Arten der Camera obscura bekannt waren und daß er sich auch bereits eines Hohlspiegels bediente, um die Gegenstände aufrecht darzustellen a). Nachher bediente man sich zweyer convexer Gläser, die man in 2 Röhren befestigte, welche man so lange schob, bis sie den Gegenstand in verlangter Größe vorstellten. Der Jesuit Scheiner zu Ingolstadt bediente sich zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis zuerst folgender Einrichtung: er setzte statt des Glases eine bewegliche Kugel in die Öffnung, die sich wie in einer Nuß drehen ließ; in der Mitte war die Kugel durchbohrt, daß ein Tubus durchgesteckt werden konnte, welchen er nun, wie es die Umstände forderten, hoch, niedrig und seitwärts richten konnte. Durch diesen Tubus fiel das Bild der Sonne auf die Wand, so daß Scheiner die Flecken und die Umdrehung der Sonne um Ihre Achse beobachten konnte b). Statt des Tubus setzten andere messingene Scheiben, die mit zarten Löchern durchbohrt sind, in die Öffnung der Kugel. Samuel Reicher, ein Professor zu Kiel, der am Ende des vorigen Jahrhunderts lebte, hatte eine Camera obscura, welche kleine Gegenstände vergrösserte. Er beschrieb sie 1678. Zahn setzte in einem verfinsterten Zimmer 2 erhabene Gläser in einen Laden neben einander, welche dem ohngeachtet nur ein Bild darstellten, aber viel heller, als durch ein Glas zu geschehen pflegt. Die zweyte Hauptart Camera obscura ist die tragbare, von der es verschiedene Einrichtungen giebt. Gewöhnlich besteht sie aus einem viereckigten tragbaren, innwendig schwarzen Kasten, dessen eine Seite offen ist und der oben ein viereckigtes Loch hat, worein ein viereckigter 9 Zoll großer Kasten ohne Boden gesetzt wird. In diesem steckt vorn eine Blechröhre und in diese eine schiebbare Röhre mit einem erhabenen Glase, dem ein Planspiegel gegenüber gestellt ist. Auf den Boden des unteren Kastens legt man weisses Papier, setzt sich vor die offene Seite, die mit doppelten Vorhängen bedeckt ist, nimmt diese über den Kopf und sieht auf das weiße Papier, auf welchem sich die Gegenstände so darstellen, daß man sie nachzeichnen kann. Marko Antonio Cellio gab eine tragbare Camera obscura an, die vorzüglich dazu diente, Kupferstiche, Gemälde und Risse geschwind abzuzeichnen c). Eine andere, die ebenfalls zum Zeichnen sehr bequem eingerichtet ist, erfand der Mathematiker Reinthaler in Leipzig d). Eine ganz neue Art von Camera obscura erfand Herr Georg Friedrich Brander aus Regensburg gebürtig, hernach zu Augsburg wohnhaft; sie hat nur das Unbequeme, das sie links zeichnet e). Auch kann man die Maschine, welche Hertel erfand und in seiner Anweisung zum Glasschleifen bekannt machte, für eine besondere Art der Camera obscura ansehen. Er ließ sich eine blecherne hohle Kugel machen, die 1 1/2 Fuß im Durchmesser hatte. In diese ließ er viele einer Linse große Löcher schlagen und auf die obere Oeffnung der Kugel einen Rauchfang setzen. Um die Kugel herum befestigte er an zwey Reifen eine Wand von Papier, das in Oel getränkt war. Wenn er nun des Nachts in die blecherne Kugel ein brennendes Licht setzte; so zeichnete sich auf der Papierwande die Flamme des Lichts so vielmahl, als die Blechkugel Löcher hatte f).

a) Univers. Lex. V. p. 382.
b) Hertels Anweis. zum Glasschleifen p. 104.
c) Acta Erudit. 1687. M. Dec.
d) Fablonskie Allgem. Lex. der Künst. u. Wissens. unter Camera.
e) Kunst-Gewerb-und Handwerksgeschichte der Reichsst. Augsburg 1779. I. Tb. S. 181.
f) Kern der Wissensch. 1. B. 1745. S. 148.

Dioptrik

Die Dioptrik ist eine Wissenschaft, die die Art und weise des Sehens erklärt, in so fern dieses durch Hülfe der gebrochenen Strahlen geschieht. Sie zeigt auch, wie die Lichtstrahlen in geschliffenen Gläsern gebrochen werden. Die Alten wußten nicht viel von dieser Wisseschaft, daher der Araber Alhazen im J. 1100, und der Pole Vitello um 1250 dieselbe nicht besonders, sondern in der Optik unter dem Titel Anaclastik abhandelten. Die erste Dioptrik hat Kepler (+ 1630) geschrieben und zugleich die Eigenschaften der geschliffenen Gläser richtig erwiesen.

Univ. Lex. V. 1021, 1022.

Fernglas

Fernglas, Fernrohr, Seherohr, Perpectiv, Telescop, Tubus, können wegen ihrer genauen Verwandtschaft unter einander füglich hier unter einer Rubrik stehen. Das Fernglas ist ein Glas, das entweder auf beyden Seiten hohl, oder nur auf einer Seite hohl und auf der andern Seite flach geschliffen ist und dazu dient, entfernte Gegenstände deutlich vorzustellen. Das Fernrohre aber ist ein Werkzeug, das aus einer oder mehreren runden Röhren besteht, die in einander geschoben und ausgezogen werden können, worinn einige nach der Kunst geschliffene Gläser und Spiegel in gehöriger Entfernung eingesetzt sind, welches dazu dient, die entfernten Gegenstände nahe und vergrössert, aufrecht oder verkehrt darzustellen. Das älteste Fernrohr ist das, welches von dem Lande, wo es erfunden wurde, das Holländische oder Belgische, ausserdem aber noch das Galiläische genannt wird, theils, weil Galiläus es auch für sich erfand, theils weil er es zuerst zu Beobachtungen brauchte. Es besteht aus einem Objektivglase und einem Augenglase. Das Objektivglas, welches allemal erhaben geschliffen ist, ist dasjenige, welches nach dem Gegenstande, den man betrachten will, zugekehrt wird, das Augenglas, welches dem Auge zunächst steht, kann theils hohl, theils erhaben geschliffen seyn. Bey dem holländischen Perspektiv, welches die Gegenstände aufrecht darstellt, ist es hohl geschliffen.
Das Alter der Fernröhre ist noch nicht völlig ausser Zweifel. Aus einer Stelle des Roger Baco a), der 1292 zu Oxford starb, will man schliessen, daß er so wohl die Vergrößerungs als auch die Ferngläser gekannt habe b). In der That drücken auch die Worte des Baco die Wirkung der Fern- und Vergrößerungsgläser so genau aus, daß man sich bey dem ersten Anblick derselben des Gedankens, er habe diese Werkzeuge wirklich gekannt, nicht entschlagen kann. Auch wird diese Stelle fernerhin Grund zu dieser Vermuthung geben, die man aber bis jetzt noch nicht bis zur Gewißheit gebracht, sondern vielmehr folgendes dawider eingewandt hat: 1.) In der ganzen Perspectiva des Baco kommt ausser dieser Stelle, weiter keine deutliche Spur von geschliffenen Gläsern, noch weniger von ihrer Versetzung vor; 2.) es ist nicht wahrscheinlich, daß Baco die Fern- und Vergrößerungsgläser, wenn er sie wirklich gekannt hätte, nicht deutlicher angezeigt und beschrieben haben solle, da sie so wichtig und damals eine ganz neue Erfindung gewesen seyn würden; 3.) Baco redet aber von den in der angeführten Stelle beschriebenen Erscheinungen als von ganz bekannten und leicht wahrzunehmenden Dingen; 4.) es lassen sich die Worte des Baco auch von den Erscheinungen der mit Wasser gefüllten Glaskugeln erklären; 5.) aus den Worten des Baco läßt sich mit Gewißheit nur so viel folgern, daß ihm bekannt war, daß durch einen dichten durchsichtigen Körper eine Sache bald näher und grösser, bald entfernter und kleiner erscheine, als sie wirklich ist.
Eine andere Spur der Ferngläser hat man in einer von Johann Baptista Porta, im Jahr 1560 herausgegebenen Schrift c) finden wollen; allein viele erklären dieselbe blos von den Wirkungen hohler und erhabener Gläser bey kurzsichtigen und weitsichtigen Personen.

Für den wahren Erfinder des Fernrohres mit einem erhabenen Objectivglase und hohlen Augenglase wird der Brillenmacher Zacharias Janson zu Middelburg in Seeland gehalten, welcher von ohngefehr ein erhabenes und hohles Glas hinter einander hielt und bey dem Durchsehen die Gegenstände näher und vergrössert erblickte, worauf er im Jahr 1590 das Holländische Fernrohr erfand d).

Im Jahr 1608 oder 1609 kam Joh. Lippersein, (andere schreiben Lipperhay), der auch ein Brillenmacher zu Middelburg war, aufs neue auf die Erfindung des Fernrohres. Er setzte von ohngefehr ein erhabenes und ein hohlgeschliffenes Glas in eine Röhre und nahm ausser den obigen Wirkungen auch noch wahr, daß er damit sehr weit sehen konnte. Hierauf machte er eine schicklichere Röhre, setzte die Gläser in gehörigen Weite hinein und ließ viele, die vor seiner Bude vorbeygiengen, durch dieses Rohr nach dem auf dem gegenüber stehenden Thurme befindlichen Wetterhahn sehen, der dadurch sehr groß und nahe erschien. Sein erstes Perspectiv kaufte der Marktgraf von Spinola, der es dem Erzherzog Albrecht schenkte, das zweite kauften die Generalstaaten um einen sehr hohen Preiß e).

Andere behaupten, Jacob Metius, ein Brillenmacher zu Alkmaar, habe die Fernröhre erfunden, und 1608 die Generalstaaten mit einem solchen beschenkt f). Man vermuthet aber nicht ohne Grund, daß Jacob Metius durch seinen Bruder Adrian Metius, einen Professor der Mathematik zu Franecker, einige Nachrichten von Lipperseins Erfindung erhalten, und dann erst auch dergleichen Fernröhre gemacht habe, daher er mit unter die Erfinder derselben gekommen ist.

Galiläus kam für sich auf die Erfindung des Perspectivs. Im J. 1609 reisete er von Padua nach Venedig, wo er von einem Patricier erfuhr, daß man irgendwo in Deutschland ein Glas erfunden habe, wodurch sich die weitesten Dinge ganz nah vorstellten. Sogleich ging Galiläus nach Hause, dachte der Sache nach, und nahm eine Orgelpfeife, in welcher er zwey Gläser so lange hin und her rückte, bis er den rechten Fleck traf. Hierauf ging er wieder zu dem Patrizier, zeigte ihm seine Erfindung und probierte sie auf dem Markusthurme *). Durch ihn wurde hernach der Gebrauch des Perspectivs zuerst bekannt, und er war auch der erste, der es zur Beobachtung am Himmel brauchte.

Das astronomische Fernrohr (der Tubus), dessen man sich bey der Beobachtung des Himmels bedient, besteht aus einem erhabnen Objectivglase und noch mehr erhabnen Augenglase, und stellt die Gegenstände vergrößert und verkehrt vor. Der erste, der es erfand, war Johann Keppler (geb. 1571 gest. 1630), welcher in seiner Dioptrik zuerst zeigte, daß auch zwey erhabene Gläser die Gegenstände vergrößerten. Dieses bewog den Kapuziner Antonius Maria Schyrläus von Rheita ein solches Fernrohr zu machen. Der Neapolitaner Franz Fontana behauptete zwar in einer 1684 von ihm herausgegebenen Schrift g), er habe das astronomische Fernrohr schon 1668 erfunden gehabt; da er sich aber erst so spät zu dieser Erfindung meldet: so ist seine Behauptung verdächtig.

Da das astronomische Fernrohr, welches aus zwey erhabnen Gläsern besteht, die Sachen verkehrt vorstellte und nur am Himmel gebraucht werden konnte : so setzte der Jesuit Scheiner (geb. 1575 gest. 1650) das dritte erhabene Glas hinzu, wodurch die Sachen aufrecht erschienen. Dieses Fernrohr konnte nun wieder zu Betrachtung der Gegenstände auf der Erde gebraucht werden, daher es das Erdrohr, oder das Erdfernrohr genannt wurde. Man fand indessen, daß die Gegenstände dadurch gefärbt erschienen, daher setzte man noch ein erhabenes Glas hinzu, so daß das ganze Fernrohr aus drey erhabenen Augengläsern und einem Objectivglase bestand, und diese Art des Fernrohrs wird für die beste gehalten, weil mehrere Gläser die Gegenstände wieder verdunkeln.

Wenn einige den Antonius Maria Schyrläus von Reitha h) auch für den Erfinder des Erdrohrs ausgeben i) : so verwechselt man es entweder mit dem astronomischen Fernrohr, welches nach Keplers Anleitung zuerst verfertigte, oder es gilt bloß von dem Erdrohr der letzteren Art, denn der erste Erfinder desselben war er nicht. Hingegen machte er 1665 das Binokular-Telescop oder das doppelte Perspectiv bekannt, welches aus zwey neben einander auf einem Bret, oder in einer ovalrunden Röhre bevestigten Perspectiven besteht, so daß man mit jedem Auge durch ein besonderes Perspectiv sieht, wodurch man die Sachen mit beyden Augen zugleich, sehr deutlich, aber doch nur einfach sieht.

Huygens (geb. 1629 gest. 1695) brachte das Erdfernrohr auf eine andere Art zu Stande, in dem er zu dem astronomischen Fernrohr, von zwey erhabenen Gläsern noch einen Planspiegel setzte, wodurch die Gegenstände aufrecht erschienen k).

Leutmann erfand für den astronomischen Tubus statt des gewöhnlichen Objectivglases ein solches, das auf einer Seite erhaben, und auf der andern nicht flach sondern hohl geschliffen war, wozu er ein Augenglas nahm, das auf einer Seite erhaben, und auf der andern eben war l).

Im J. 1698 gab Hautfeuille einen Tubus an, der aus drey Objectivgläsern, mit zwey Augengläsern, nemlich einem hohlen und erhabenen bestand, er war 76 Schuh lang und sollte so viel leisten, als ein gewöhnlicher Tubus von 600 Fuß m).

Tschirnhausen gab 1699 einen Tubus an, der gar kein Augenglas, sondern nur ein Objectivglas hatte, das über einen rheinländischen Schuh im Durchmesser hielt, und nicht bedeckt war. Er konnte damit drey Tage eine anderthalb Meilen weit entfernte Stadt weit deutlicher, als durch ein ordentliches Fernrohr und in eben der Größe erkennen n).
Da ein Tubus, der über 25 Schuh lang ist, schwer zu bewegen ist : so erfand Auzout in Paris im J. 1666 die Kunst einen großen Tubus ohne Röhren zu verfertigen o); Huygens zeigte noch eine bequemere Einrichtung p), und der Franzos Boffat verbesserte noch Huygens Erfindung, indem er es durch Planspiegel, die er am Ende desTubus anbrachte, dahin brachte, daß man den Tubus gar nicht mehr zu verrücken brauchte, welche Erfindung er 1682 bekannt machte q). Im Jahr 1695 zeigte Phillip de la Hire, wie man des Nachts einen solchen Tubus leicht auf die verlangten Sterne am Himmel richten könne, welche Erfindung er hernach noch verbesserte r). Nachher machte Joseph Campani zu Bolognia bekannt, daß er einen Tubus ohne Röhren, der 30 Schuh lang sey zu verfertigen wisse, womit er in einer Entfernung von etlichen Meilen den Zeiger einer Sonnenuhr gar deutlich erkennen könne s). Wolf hielt dafür, daß dieser Tubus kein Augenglas, sondern nur nach Art desjenigen, den Tschirnhausen erfand, ein breites Objectivglas gehabt habe t). Eben diese Joseph Campani erfand eine besondere Maschine, womit er die Scheiben bereitete, die zur Verfertigung der grossen Objectivgläser dienten. Nach seinem Tode kaufte sie der Pabst Benedikt der 14te, nebst den übrigen Instrumenten, und schenkte sie dem Institut zu Bologna. Niemand aber wußte den Gebrauch dieser Maschine, bis Ercole Lelli (geboren zu Bologna 1702, gestorben zu Rom 1766) denselben wieder entdeckte u). Noch andere Arten, wie man einen großen Tubus ohne Röhren verfertigen könne, gaben Bianchini v), wie auch der jüngere Cassini w) an, und de la Hire lehrte 1715, wie man an demselben das Objectivglas auf eine leichte Art nach allen Seiten richten könne x).
Das reflectierende Fernrohr oder das Spiegeltelescop ist aus geschliffenen Gläsern und Spiegeln zusammen gesetzt. Den Grund zu demdelben legte der Schottländer Gregori (geb. zu Neuaberdeen 1639, gest. 1675), welcher sich mit der Untersuchung über die Deutlichkeit der Bilder, die die sphärischen Gläser machen, beschäftigte, wodurch er auf die Erfindung des Spiegeltelescops geleitet wurde. Er wollte es aus parabolischen und elliptischen Spiegeln machen und dieses verursachte, daß er nicht damit zu Stande kam; Newton aber, der es mit sphärischen Spiegeln versuchte, brachte es nach der Anleitung des Gregori heraus. Sein Telescop hatte statt des Objectivglases einen metallenen Hohlspiegel, nicht weit vom Augenglase einen Planspiegel, und das Augenglas selbst bestand aus einem Vergrößerungsglase. Ein solcher Tubus vergrößerte, wenn er 6 Zoll lang war, zwischen 30 und 40 mal. Das größte Hinderniß bey den Spiegeltelescopen war, daß es an recht hellen Spiegeln fehlte. Gegen 1714 half Georgi zu Schwarzenburg im Erzgebirge dieser Unbequemlichkeit einigermassen ab, indem er gute stählerne Spiegel dazu verfertigte y). Johann Hadley machte die Spiegeltelescope vollkommener. Vom J. 1719 bis 1723 verfertigte er ein newtonisches, welches zwischen 228- und 230 mal vergrößerte, und 1726 machte er auch ein gregorisches; beyde hatten 5 Fuß und 3 Zoll Länge.
In unseren Tagen hat man es in Verfertigung der Spiegeltelescope auf einen hohen Grad der Vollkommenheit gebracht, wozu die Erfindung des Grafen v. Sickingen vieles beytrug, welcher in seinen Versuchen über die Platina eine metallische Composition zu Telescopspiegel angab, deren Farbe heller war, als bey den gewöhnlichen Spiegeln z). Sie besteht aus sechs Theilen gereinigter Platina, drey Theilen weichen Eisen von Hufnagelspitzen und einem Theile 24 karatigen Golde.

Dieser Masse bediente sich um 1787 der Abbe Rochow, in Paris, zu den Spiegeln seines Gregorianischen Telescops, wovon der grosse 22 Zoll in der Chorde und 22 Fuß Brennweite hatte.

Am meisten Hat sich D. Herschel, von Geburt ein Deutscher, in Verfertigung der Spiegeltelescope hervorgetha, welcher dergleichen von sieben Schuh, wovon eins 100 Guineen kostet, ferner von 10 Schuh verfertigt, dergleichen die Göttingische Sternwarte erhielt, und schon seit mehreren Jahren arbeitet er an einem Spiegeltelescop von 40 Schuh, das 4 Schuh und etliche Zoll im Durchmesser hat und nach Newtons Art eingerichtet ist. Der große Spiegel hat vier Fuß im Durchmesser und wiegt 1035 Pfund; den sonst gewöhnlichen kleinen Soiegel läßt er ganz weg und setzt das Augenglas an den Rand der Mündung der großen Röhre. Im November des Jahrs 1789 wurde er mit demselben fertig.
Unter den reflectierenden Fernrohren ist auch das noch merkwürdig, welches Robert Hook (geb. 1638, gest. 1703) erfand. Es bestand aus einem viereckigten 12 Schuh langen Kasten der an der hinteren Seite oben ein Objektivglas und an der vorderen Seite unten ein Augenglas hatte. Inwendig waren 4 Planspiegel einander gehörig gegenüber geordnet, wodurch die Lichtstrahlen viermal reflectiert wurden. Diese Maschine that die Dienste eines Fernrohrs von 60 Schuh. Ein anderes Spiegeltelescop erfand Cassegrün. Es besteht aus zwey Röhren; in der hintersten ist ein grosser Hohlspiegel, der in der Mitte ein Loch hat, worin das Augenglas steht, welchem gegenüber ein kleinerer erhabener Spiegel in der Röhre angebracht ist. Das Bild fällt zuerst in den Hohlspiegel, von da in den erhabenen Spiegel und von da gerade durch das Augenglas in das Auge des Betrachters a).
Endlich rechnet man auch das gebogne Perspectiv, welches Johann Hevel (geb. zu Danzig 1611. gest. 1687) erfand, unter die reflectierenden Fernrohre. Zu Anfang desselben liegt ein metallener Planspiegel in einem halb geraden Winkel; hierauf folgen in dem Rohr drey Augengläser; fast am Ende des Rohrs steht das Objectivglas und ganz am Ende liegt wieder ein metallener Planspiegel in einem halbgeraden Winkel. Ueber den letzteren Spiegel ist ein kürzeres, nach unten zu sich erweiterndes Rohr so angesetzt, daß es mit dem erstern einen rechten Winkel macht. Dieses Instrument wird Polemoscopium oder Kriegsfernrohr genannt, weil man sich dessen im Kriege bedient, um dadurch Sachen zu beobachten, die nicht gerade vor den Augen liegen. Auch führt es den Namen Wallgucker, weil man damit über Mauern und Walle wegsehen und beobachten kann, womit sich die Besatzung hinter den Wällen und Mauern beschäftigt.

Des Spiegeltelescops, welches Huygens erfand und das auch unter die reflectierende Fernrohre gehört, ist bereits gedacht worden. Das achromatische oder farbenlose Fernrohr ist ein solches, welches Gegenstände ganz ungefärbt und deutlich vorstellt. Newton hatte behauptet daß man die Fernrohre zu keiner großen Vollkommenheit bringen würde, weil sich die Farben in den Objectivgläsern zerstreuten, welches verursache, daß man die Gegenstände weder in ihren natürlichen Farben, noch deutlich erblicken könne. Es kam also darauf an die Zerstreuung der Farben in den Objectivgläsern zu heben, welches schon dem berühmten Euler gelang, der 1747 durch die Betrachtung des Auges darauf geleitet wurde, die Zerstreuung der Farben durch verschiedene Brechungsmittel zu heben und auch schon vieles für das achromatische Fernrohr berechnete. Dieses veranlasste den Engländer Johann Dolland, daß er 1757 zwey Prismen von verschiedenen Glase, nemlich von Kron- und Flintglase, ersteres in einem Winkel von 30 Grad und letzteres in einem Winkel von 19 Grad, schliff; beyde legte er verkehrt aneinander und fand, daß die Gegenstände dadurch ganz ohne Farben zu sehen waren. Dieß war der Grund zu der Erfindung des achromatischen Fernrohrs, dessen Objectivglas aus zweyerley Glase von verschiedener Dichtigkeit, nemlich aus Flint- und Kronglas zusammengesetzt ist, welches verursacht, daß die Gegenstände ungefärbt und ganz deutlich erscheinen. Nachher erfand der Professor Zeiher in Petersburg eine Glasmaterie von noch größerer Wirkung als das Flintglas, welche er aus einem dichten schweren Kristallglas, mit einem Zusatz von Bleyglas, bereitete. Ein 21 Zoll langes Fernrohr, dessen Objectivglas von diesem Glase gemacht ist, thut eine größere Wirkung, als ein gemeines astronomisches Fernrohr von 30 Schuh b).

Eben dieser Dallond erfand auch Fernrohre mit sechs Augengläser, wodurch die Fehler vermindert wurden, die von der Kugelgestalt des Glases herrühren.
Das Jconatidiptische Fernrohr, welches zwey gegeneinander gewandte Bilder von einem und eben demselben Gegenstand zeigt, hat Herr Jeaurat erfunden und der Baron von Gedda verbessert c).

Ein besonderes Perspectiv erfand der französische Minorit, Emanuel Maignan (geb. 1601. gest. 1676), worüber er mit dem Pater Kircher, wegen der ersten Erfindung desselben, Streit bekam d).

Johann Wiesel, der 1648 zu Augsburg lebte und ein Schüler des Antonius Maria Schyrläus von Rheita war, erfand eine Art Perspective, von welchen er selbst an den Gervas. Mattmüller schrieb, das er sie nicht allein bey Tage, sondern auch bey heller Nacht zur Beobachtung der Gestirne brauchen könne; denn diese neue Invention komme aufrecht zu stehen und werde von wunderbarlichen Gläsern zusammengesetzt; dieß Perspectiv mache einen so großen Platz, daß er dadurch, mit unverwandtem Rohr, 20000 Mann in Schlachtordnung übersehen könne, wenn sie auch schon einige Meilen von ihm entfernt wären. Herr von Stetten vermuthet, daß es eine Art von Camera obscura gewesen seyn könne e).

Georg Friedrich Brandner, aus Regensburg, brachte 1737 zu Augsburg die ersten Telescopen in Deutschland zu Stande f).

Im Jahr 1741 wurde dem Könige von Preußen ein Fernrohr überreicht, womit man auf fünf Meilen weit alles genau erkennen konnte.

a) In seiner Perspectiva. Pars III. dif. ult. p. 167. Man vergleiche damit die Canones worauf er sich bezieht, dif. i. c. 3. p. 153.
b) Dieses thut Mollneux in seiner Dioptrica. Pars II. cap. 6.
c) Magia naturalis Lib. 17. cap. 10.
d) Borelli Tractus de vero Telescopii inventore. 1655.
e) Kern der Wissenschaften und brauchbarer Kunststücke 1745 I. B. S. 437.
f) Georg Paschii inventa non-antiqua. c. 7. p. 525. *) Ianus Nicius Erythraeus in Pinacothea imaginum illustrium virorum p. 279-280.
g) Novae terrestrium et caelestium observat. Neap. 1640 in 4.
h) Er schrieb 1665. Oculum Enochi atque Eliae.
i) Nachrichten von dem Leben und den Erfindungen der berühmtesten Mathematiker. Münster 1788. S. 235.
k) Hugenii Dioptrica. prop. 53. p. 190. seq.
l) Leutmanns Anmerkungen zum Glasschleifen S. 52.
m) Journal des scavans. 1698.
n) Acta Erudit. Lips. 1684. p. 563.
q) Diarum Erudit. Parisiens. p. XXIX. den 14. Dec. 1682.
r) Bions Mathematische Werkschule. Dritte Eröffnung von J.G.Doppelmayr. 1741. S. 129.
s) Acta Erudit. Lips. 1710. p. 466.
u) Meusels Miscellaneen artistischen Inhalts. 1782. 12. Heft. S. 359.
v) Memoires de l’Academie Royale. 1713. p. 40.
w) Ebendaselbst, vom Jahr 1714. p. 473.
x) Ebendaselbst, vom Jahr 1715. p. 12.
y) Acta Erud. Lips. 17. 4. p. 203.
z) Gothaischer Hofkalender. 1783.
a) Bions Mathematische Werkschule. Weitere Eröffnung, von J.G.Doppelmayr. 1741. S. 42
b) Nachrichten von dem Leben und Erfindungen der berühmtesten Mathematiker. 1788. S. 74-77.
c) Allgem. Litter. Zeitung. 1785. No. 231.
d) Bayle Hist. krit. Wörterbuch. Leipzig. III. S. 285. f.
e) Kunst-Gewerbe- und Handwerksschule der Reichsstadt Augsburg. 1779. 1. Th. S. 170.
f) Ebendaselbst S. 178. g) Hübners Kunst- und Naturlexicon. 1741. S. 753.

Desweiteren finden sich folgende Begriffe in dem Buch von 1801

Astrodictium

Sternweiser, ist ein Werkzeug, durch welches man die Sterne leicht am Himmel finden und kennen lernen kann. Man hat einen einfachen und zusammengesetzten Sternweiser: der einfache besteht aus einer Himmelskugel, auf welcher die Sterne richtig abgebildet sind. Hat man vermittelst der Magnetnadel die Kugel gehörig n. d. Weltgegenden gestellt, so richtet man das an der Kugel angebrachte Instrument gerade auf den abgebildeten Stern, den man am Himmel zu finden verlangt. Hierdurch bekommen die an dem Instrument befestigte Dioptern oder Durchseher eine solche Richtung, daß man durch sie den verlangte Stern am Himmel findet. Der zusammengesetzte Sternweiser oder Sternschranken ist so eingerichtet, daß 200 Personen auf einmal einerley Stern durch die Diopter am Himmel sehen können. Beyde Instrumente erfand Ehrhard Weigel, Prof. zu Jena, wozu ihm Herzog Wilhelm zu Weimar, der gerne in kurzer Zeit eine Kenntniß der Sterne zu erlangen wünschte, Gelegenheit gab. s.

Univers. Lex. II. 1947. 1947.

Bleykalk

wird aus gereinigtem Bley gemacht, welches man in einem irdenen, nicht glasurten Gefäße schmelzt und so lange umrührt, bis es zu einem feuergelben Pulver wird. Herr Pristerley hat den Bleykalk in brennbarer Luft vermittelst eines Brennglases wieder hergestellt und sucht dadurch zu beweisen, daß das Phlogiston oder brennbare Wesen in den Metallen nichts anderes als brennbare Luft sey.

s.Kurze Gesch. der merkwürd. Begebenh. Entdeck. und Erfind. von C. L. Reinhold. Oßnabrück 1785. Erste Sammlung. Zwote Aufl. S. 43.

Barometer

sind Werkzeuge, welche die Veränderungen in der Schwere der Luft anzeigen. Sie werden in einfache und zusammengesetzte eingetheilt; bey den ersten bedient man sich blos des Quecksilbers, bey den letzteren aber braucht man ausser dem Quecksilber noch eine andere Flüssigkeit, um das Steigen und Fallen empfindlicher und die Veränderungen in der Schwere der Luft merklicher zu machen. Die Veranlassung zur Erfindung des Barometers gab die kurz vorher entdeckte Schwere der Luft. Toricelli, ein Schüler des berühmten Galiläus aus Pisa und Leibarzt des Großherzogs von Florenz, dachte nemlich dieser Erfindung weiter nach, nahm statt des Wassers, Quecksilber und füllete damit eine gläserne Röhre an, die oben zugeschmolzen, unten aber offen war; die Oeffnung verschloß er mit dem Finger, setzte dann die Röhre in ein anderes über 2 Zoll tief mit Quecksilber angefülltes Gefäß, that dann den Finger von der Oeffnung weg und so bald das in der Röhre befindliche Quecksilber jenes im Gefäße berührte : so fiel das Quecksilber in der Röhre bis auf eine gewisse Höhe herunter und ließ einen luftleeren Raum zurück. Dieß war der Ursprung der Barometer, denen sich Toricelli vornehmlich bediente, um dadurch die Grösse von der Schwere der Luft abzumessen und womit bereits 1643 zu Florenz und Rom Versuche gemacht wurden. Bis jetzt hatte Toricelli aus dem Barometer nur erkannt, daß das Quecksilber in der Röhre mit der Luft im Gleichgewicht stehe; als er 1646 den Versuch mit einer 4 Schuh langen Glasröhre wiederholte : so bemerkte er auch, daß das Quecksilber in der Röhre zu verschiedenen Zeiten nicht immer einerley Höhe behielt und schloß daraus, daß die Luft nicht immer einerley Schwere habe, sondern zu der einen Zeit leichter und zu einer andern Zeit schwerer sey.


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