1780 – Anweisung zur Experimentalphysik

Sigaud de la Fond
Die Optik aus Sicht der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts

Mit Schilderungen des Reflexionsgesetzes, Brechungsgesetzes, Katoptrik, Newtonisches Farbensystem und die Erfindungen von Camera Obscura, Ferngläser, katoptrischer Teleskope und Brennspiegel.

1780 - Sigaud de la Fond - Anweisung zur Experimentalphysik

Inhalt des zweyten Theiles – Zehnter Abschnitt
Von dem Lichte

§ 388
Was das Licht ist?
Die erste Frage, die wir untersuchen wollen, ist nach meiner Meynung einer vollkommenen Auflösung nicht fähig. Die äußerste Feinheit der Lichttheilchen entziehet sie den Untersuchungen, die wir machen könnten, und ich schicke diese Frage nur voraus, um die Ungereimtheit derer, die das Licht als ein Wesen ansehen, welches von der Materie und dem Geiste verschieden ist, und welches zwischen beyden das Mittel halten musz, vor Augen zu legen (a).
Dieser Einfall, welcher seinen Ursprung in der auszerordentlichen Feinheit der Lichtstrahlen zu verdanken hat, wird durch die Wirkungen, welche diese Strahlen, wenn man sie sammlet, auf Körper hervorbringen, die man ihrer Wirkung überlasset, sehr vollkommen widerlegt. Als Herr Homberg einen Sonnenstrahl auf eine stählerne Feder, die er mit einem ihrer Enden an ein Stück Holz befestigt, richtete, wurde diese Feder in eine zitternde Bewegung gesetzt (b). Jedermann weisz, daß ein Büschel, die festesten Körper verbrennet und die härtesten Metalle schmelzet.
Die Wirksamkeit dieses flüszigen Körpers, und eine so deutliche Wirkung auf Körper, die so widerstehend als die Metalle sind, ist der vollkommenste Beweis, daß Licht als ein wahrer Körper angesehen werden müsse. Allein, wo kommt das Flüszige her? Diesz ist ein Frage, die nicht so leicht aufzulösen ist.

(a) Hierne Acta chem. C.5.p.28.
(b) Hist. de l’Acad. des Sciences, 1708

§389
Woher es kommt. Epikurs und Cartesii Meynung.
Obgleich die Schule des Epikurs (20) voller Irrthümer und Ungereimtheiten war, so sehen wir doch, daß es dieser Weltweise gewesen ist, der zuerst den Ursprung des Lichtes entdeckte, ungeachtet der Beweis, worauf er seine Meynung gründet, nicht bündig ist. Eben so, sagt er, wie der Geruch, der in dem riechenden Körper bemerkt wird, ein Ausfluß dieses Körpers ist, eben so besteht das Licht in einem Ausflusse des eigenen Wesens des leuchtenden Körpers. Diese Meynung wurde von den berühmtesten Naturkündigern des Alterthums (a) und von denen, die das System der Epikurs wieder auf die Bahn brachten (b), angenommen.
Cartesius (21) bestritt diese Meynung zuerst, und sahe das Licht als ein Wesen an, das von dem Wesen des leuchtenden Körpers unterschiedlich ist (c). Nach seiner Vorstellung (d) ist das Licht ein unermeszliches Fluidum, dessen auszerordentlich kleine und in Gestalt kleiner Kügelgen gerundete Theile, gleichförmig und ohne Unterbrechung die ganze Sphäre unserer Welt erfüllen. Die Sonne, die den Mittelpunkt derselben einnimmt, die Fixsterne, die gleichsam die Kränzen derselben sind, und alle die Körper, die sich auf der Erde und an andern Orten entzünden, beleben diese Materie durch eine Bewegung, die sie nicht von einem Orte in den andern bringet, sondern sie durch eine Art von Zittern, welches einigermaszen dem ähnlich ist, das der Schall in der Luft machet, beweget, so, dasz der Stern, oder der Mittelpunkt einer leuchtenden Sphäre wird, beynahe so wie eine Glocke, oder jeder anderer klingender Körper, den man in Wirkung setzet, von weiten, und auf allen Seiten herum die Luftmasze, in deren Mitte er sich befindet, erschallend machet.

(a)Epikur, Demokrit, Zeno.
(b)Gassendi, Bernier.
(c)Diopt. C. I. §. 3. Epist. 17.
(d)Nollet, Lecons de Phys. T. V. p. 7.

§390
Widerlegung der Meynung Cartesii.
Wenn man die Meynung des Cartesii (21), nebst den Einschränkungen selbst, die seine Anhänger hinzugefügt haben, die aber im Grunde dieser Hypothese nichts benehmen, annehmen wollte, so würde daraus folgen: 1.) dasz wir niemals mit Finsternis umgeben seyn würden. Denn der Druck, welcher gegen einen von den Theilen eines flüszigen Körpers, der in einem Raume, woraus er nicht entwischen kann, eingeschlossen ist, wirket, breitet sich gleichförmig auf allen Seiten aus. Obgleich die Sonne, wenn sie sich auf der uns gegenüber stehenden Halbkugel befindet, die Lichtmaterie unserer Halbkugel nicht direkte belebt, so empfängt sie doch durch ihre Verbindung mit der Lichtmaterie, die zu der anderen Halbkugel gehört, eben denselben Eindruck. 2.) Es würde auch folgen, dasz wir niemals einen Schatten auf der Seite und hinter den Körpern, die in der Sonne stehen, aus der eben angeführten Ursache, zu sehen bekämen, welches offenbar der Erfahrung widerspricht.

Man kann sich also nicht weigern, zu glauben, dasz das Licht unmittelbar aus dem eigenen Wesen der Sonne und der leuchtenden Körper, die in dem unermeßlichen Umfange des Himmels glänzen, seinen Ausfluß habe. Ich läugne nicht, dasz diese Meynung vielen Schwierigkeiten, die man nicht so leicht beantworten kann, unterworfen ist. Allein sie hat doch nichts Ungereimtes an sich.

§391
Fortschreitende Bewegung der Lichtstrahlen.
Die fortschreitende Bewegung des Lichtes wird durch viele genaue Beobachtungen, deren Stärke nicht bestritten werden kann, bestätiget. Halles, Manfredi und viele andere berühmte Astronomen, haben, vermittelt eines an einen festen Punkt befestigten Sehrohres, bemerkt, dasz die Fixsterne das Jahr über nicht genau an einem und demselben Orte zu sehen sind, sondern dasz sie Abweichungen unterworfen sind. Jedermann weisz, dasz ein convexes Glas die parallelen Lichtstrahlen zusammenbringet, und dasz ein hohlgeschliffenes Glas sie zerstreuet, und von dem Orte, wo sie vorher hingiengen, entfernet. Diese Wirkungen sind weiter nichts, als die verschiedenen Richtungen, die man der fortschreitenden Bewegung dieser Strahlen giebt, und die folglich voraussetzen, dasz sie in Bewegung sind.

§392
Deren Geschwindigkeit.
Wenn die Lichtstrahlen, die unsere Kugel erleuchten, unmittelbar aus der Sonne herkommen, so können sie nicht in einem Augenblicke bis auf die Oberfläche der Erde gelangen. Sie brauchen auch nach Beobachtungen des Bradley 8′ 13“, diesen Raum zu durchlaufen. Nach Beobachtungen des Huyghens (22) kommt, wenn die Trabanten des Jupiters aus dem Schatten dieses Sternes gehen, das Licht der Trabanten desto später zu uns, je entfernter der Jupiter von unserer Erdkugel ist, und der Unterschied, den man in der Geschwindigkeit dieses Lichtes bemerket, beträgt wenigstens 10 Minuten, wenn Jupiter in seiner gröszten, und wenn er in seiner kleinsten Entfernung ist (a).

(a) Optik. Newton. L. II. p. 3. Prop. II.

§393
Verschiedene Bewegung des Lichtes.
Die Eigenschaften des Lichtes bestehen in verschiedenen Bewegungen, die es auf seinem Uebergange wirket. Es ist mit dem Lichte, wie mit jedem anderen Körper beschaffen. es sucht beständig sich in gerader Linie zu bewegen, und es bewegt sich auch wirklich so, so lange es keine Hindernisz findet, die sich seinem Wege widersetzet. Dieser Theil der Naturlehre, der von der geraden Bewegung des Lichtes handelt, wird die eigentlich sogenannte Optik genannt. Wenn das Licht Hindernisse, welche sich seiner Bewegung in gerader Linie widersetzen, antrifft, so ändert es aldenn nach der Beschaffenheit des Hindernisses, das es antrifft, seine Richtung. Wenn dieses Hindernisz von dem Lichte durchdrungen werden kann, und das Licht schief auf selbiges trifft, so leidet es, indem es das Hindernisz durchdringet, und wieder herausgeht, eine Strahlenbrechung, die es der Perpendicularlinie (4) nähert, oder davon entfernet. Dieser Theil der Naturlehre, welcher von dem gebrochenen Lichte handelt, ist unter dem Namen der Dioptrik bekannt. Wenn endlich das Hindernisz, welches sich der fortschreitenden Bewegung des Lichtes widersetzet, undurchdringlich ist, so strahlt es zurück, und die Wissenschaft, die sich mit dem zurückgestrahlten Lichte beschäftiget, wird Katoptrik genannt. Ich werde von diesen drey verschiedenen Wissenschaften sogleich einen hinlänglichen Begriff machen.

§394
Jeder Funke ist ein strahlender Punkt.
Der kleinste Lichtfunke wird in allen Punkten seiner Oberfläche gesehen, woferne man in einer gehörigen Entfernung davon ist. Man kann ihn also als den Mittelpunkt einer leuchtenden Sphäre ansehen, die von allen Punkten ihrer Oberfläche Strahlen schießt, welche sich auf alle Seiten ausbreiten. Ich nenne diesen kleinen Funken, von welchem die eben gedachten verschiedenen Strahlen ausgehen, den strahlenden Punkt; und setze hier, um Erläuterungen, die nicht zu unserem Gegenstande gehören, zu vermeiden, voraus, dasz diese Strahlen sich in einem gleichförmigen Mittel, das ist, in einerley Dicke (5) bewegen.

§395
Dessen Strahlen divergent sind.
Alle die Strahlen, die aus einem Strahlenpunkte ausgehen, zerstreuen sich nothwendig auseinander, so wie sie sich davon entfernen, und sind folglich divergent.
Wenn der leuchtende Körper, der seine Strahlen fortschicket, und einen Raum erleuchtet, einen gewissen Umfang hat, so muß man ihn als eine unendliche Anzahl von Strahlenpunkten ansehen, die Strahlen abschieszen, welche sich auf verschiedenen Seiten durchkreuzen, wie man an dem leuchtenden Körper A (Fig. 98.) bemerken kann, auf dessen Oberfläche ich die Strahlenpunkte a, b, c, d bezeichnet habe. Ehe sich diese Strahlen kreuzen und miteinander in einem und eben demselben Punkte vereinigen, nähern sie sich einander, und werden zusammenlaufende Strahlen genennnet.

§396
Beweis durch einen Versuch.
Wenn man hier nur die Strahlen, die aus einem einzigen Strahlenpunkte ausgehen, und die folglich divergent sind, betrachtet, so machen sie einen pyramiden= oder kegelförmigen Lichtbüschel, dessen Spitze oder Gipfel der Strahlenpunkt ist, und dessen Basis gegen das Auge des Zuschauers zugekehret ist.

Um dieses auf eine deutliche Art vorzustellen, so setze man an einem Fensterladen die (Fig. 99.) vorgestellte Maschine, die aus einem flachen metallenen Spiegel AB besteht, welcher mit einem Gewinde an einer Fläche C befestigt ist, die sich zirkelförmig um das Brett FG bewegt, welches an einer an dem Fensterladen gemachten bequemen Oeffnung befestigt ist. Der Spiegel AB kann vermittelst des Zapfens DE verschiedene Grade der Neigung erhalten. An der Fläche C ist eine Röhre HI angebracht, in welche ein linsenförmiges Glas K, welches 18 bis 20 Linien im Brennpunkte hat, gesteckt wird. In L, welches der Brennpunkt des linsenförmigen Glases ist, wird ein Diaphragma (3) angebracht, dessen Oeffnung nicht über zwo Linien im Durchmesser hat.

Wenn diese Maschine an den Laden eines Fensters in einem Zimmer, welches so viel als möglich finster gemacht ist, befestigt worden, und man richtet den Spiegel so, dasz das Sonnenlicht in die Röhre HI zurückstrahlet, um auf die Linse K zu fallen, so werden die Strahlen, die durch diese Linie gehen, sich in dem Brenpunkte vereinigen, und daselbst einen Strahlenpunkt machen, der über das Diaphragma (3) eine ungeheure Menge von divergierenden Strahlen schiessen wird, die einen Lichtkegel machen werden, dessen Grundfläche gegen den Zuschauer gerichtet seyn wird.

Um diesen Lichtkegel und seine Lage zu beweisen musz man in einiger Entfernung von dem Diaphragma (3) eine vertikale Fläche, die in Ihrer Mitte ein Loch von 5 bis 6 Linien im Durchmesser hat, setzen, und in einiger Entfernung von diesem Loche eine andere weiße vertikale Fläche, oder einen mit einem Schleyer versehenen Rahm (1) stellen, damit man dasjenige, was auf dieser Fläche vorgehet, von hinten sehen könne. Man wird alsdenn einen Lichtzirkel bemerken, dessen Durchmesser gröszer seyn wird, als der Durchmesser des auf der ersten Fläche gemachten Loches, und welcher sich vergrößern wird, so wie man die letztere Fläche von der ersten entfernt.

Wenn dieser auf dem Schleyer gezeichnete leuchtende Zirkel größer ist, als das Loch, welches den Lichtstrahlen, die aus dem Strahlenpunkte kommen, den Durchgang giebt, und wenn dieser Zirkel gröszer wird, je weiter der Rahm (1) von der ersten Fläche entfernet ist, so ist diesz ein unwidersprechlicher Beweis, dasz man diesen Zirkel als die Grundfläche eines Kegels ansehen muß, dessen Gipfel ein Strahlenpunkt ist, und dasz folglich die Lichtstrahlen, die aus einem solchen Punkte herkommen, einen Kegel machen, dessen Grundfläche gegen das Auge des Zuschauers zugekehret ist.

Um diesen Versuch auf eine Art, die bequemer ins Werk zu setzen ist, zu machen, bediene ich mich einer Art von Tafel AB (Fig. 100.), deren Tafel, die eine Rinne a b in ihrer Länge hat, und die auf einer von ihren Seiten in Zolle und halbe Zolle abgetheilet ist, in zwo hohlen Rinnen an den Füßen CD, EF, die mit einem Querholze GH verbunden sind, auf und niedergeht. Diese Tafel wird in einer bequemen Höhe vermittelt zwo Druckschrauben c, d befestigt. Ich lasse längst in der an der Tafel gemachten Rinne hin, die eben gedachten Flächen laufen, und befestige sie in einer beliebigen Entfernung mit einer Schraubenmutter E (Fig. 101.), die unter der Tafel einen Schraubenschwanz V, den jede von diesen Flächen hat, geschraubet wird.

Man kann auch statt der ersten Fläche, wovon wir bey dem vorhergehenden Versuche Gebrauch gemacht haben, eine andere verticale Fläche nehemen, die viele Löcher von ungefähr vier Linien im Durchmesser hat, die wenig voneinander entfern sind. Wenn man alsdenn eben diesen Versuch wiederholet, so wird man statt eines leuchtenden Zirkels, den man auf dem Schleyer (2) bemerkt hat, eine Anzahl von Zirkeln gewahr werden, die der Anzahl der auf der ersten Fläche gemachten Löcher gleich seyn wird. Alle diese Zirkel werden größer werden, so wie man den Rahm (1) entfernet, und keiner wird sich mit dem, der an ihn gränzet, verwirren. Denn ihre Mittelpunkte werden sich von einander entfernen, so wie diese Zirkel sich vergrößern werden. (a)

(a) Nollet, Lecons de Phys. T. V. p. 68

§397
Schwächung des Lichtes bey seinem Fortgange.
Wenn man die erste mit einem einzigen Loche durchbrochenen Fläche statt derjenigen, wovon eben Gebrauch gemacht worden ist, nimmt, und man auf den Lichtzirkel, der auf dem Rahm (1) gezeichnet ist, aufmerksam Achtung giebt, so wird man sehen, dasz das Licht dieses Zirkels immer matter wird, so wie dieser Rahm von der Fläche sich entfernet. Das Licht wird also schwächer, so wie es sich von seiner Quelle entfernet. Kann man aber genau bestimmen, welcher Progreszion es in seiner Abnahme folget? Man bestimmt es gewöhnlich durch folgende Analogie.

Man misset den Durchmesser des leuchtenden Zirkels in verschiedenen Entfernungen von dem Strahlenpunkte, und man findet aus der Erfahrung, dasz der Durchmesser gerade wie seine Entfernung von diesem Punkte wächset; das ist, wenn der Schleyerrahm (2) in einer Entfernung von 2 Fusz von dem Strahlenpunkte gesetzt ist, und der Durchmesser des Zirkels 6 Linien beträgt, so wird er einen Zoll haben, wenn man diesen Rahm (1) 4 Fusz entfernet; und 18 Linien, wenn man ihn 6 Fuß entfernet. Wenn nun der Durchmesser dieses Zirkels gerade so wächset, wie die Entfernung von dem Strahlenpunkte, so wird dessen Oberfläche wie das Quadrat, dieser Entfernung wachsen, weil sich die Oberflächen dieser Zirkel doppelt so verhalten, wie die Oberflächen ihrer Durchmesser. Der in einer doppelten Entfernung erleuchtete Raum wird also viermal so groß seyn, als derjenige, welcher in einer einfachen Entfernung erleuchtet wird, und der in einer deyfachen Entfernung erleuchtete Raum wird neunmal gröszer seyn, als der Raum, der in einer Entfernung = 1 erleuchtet ist. Nun musz die Intensität des Lichtes gegenseitig mit dem Raume, den es erleuchtet, im Verhältnisze stehen, weil es immer mehr concentriret wird, je enger der Raum ist, den es erleuchtet; das ist, es wird auf jeden Punkt dieses Raumes eine gröszere Anzahl von Strahlen fallen. Hieraus schlieszet man nun, dasz das Licht nach dem Verhältnisze des Quadrates der Entfernungen von dem Strahlenpunkte abnimmt.

§398
Einander durchkreuzende Lichtstrahlen.
Wenn viele Strahlenpunkte Lichtstrahlen in einen und eben denselben Raum abschieszen, so durchkreuzen diese Strahlen einander, ohne sich zu verwirren, (§.395.) welches durch folgenden Versuch leicht bewiesen werden kann.
Man setze den metallenen Spiegel, wovon wir bisher Gebrauch gemacht haben, so, dasz das Licht, welches er in der Röhre zurückwirft, darinnen zwey Gläser erleuchtet, um in dem Brennpunkte eines jeden einen Strahlenpunkt zu machen. Man lege auf jeden Brennpunkt ein Diaphragma (3), welches man mit einem gefärbten Glase bedecket. Wir wollen zu dem einen ein rothes, und zu dem andern ein blaues Glas nehmen. Wenn alles so eingerichtet ist, so bedecke man das eine von diesen Gläsern, wir wollen das blaue nehmen, mit einem undurchsichtigen Körper. Das Licht, welches alsdenn, nachdem es durch das rothe Glas gegangen ist, in das Zimmer dringet, nimmt diese Farbe an, und machet auf dem Rahmen einen rothen Zirkel. Wenn man diesem Lichte durch die Vorhaltung eines undurchsichtigen Körpers den Weg verschlieszet, und man das blaue Glas aufdeckt, so wird das Licht, welches durch selbiges dringet, auf dem Rahmen einen blauen Zirkel mahlen.

Jetzt stelle man 2 bis 3 Fusz von diesen beyden Gläsern eine mit einem Loche von 5 bis 6 Linien durchbrochene Fläche, und über diese Fläche hinaus setze man den Rahmen, wovon man eben Gebrauch gemacht hat. Man lasse nach diesen das Licht durch die beyden gefärbten Gläser gehen, so wird man alsdenn auf dem Rahmen zweyn Zirkel, einen rothen und einen blauen sehen. Allein, wenn man es umgekehrt machet, das ist, wenn man das rothe Glas in die Röhre zur Rechten stecket, so wird der rothe Zirkel auf der linken Seite der Fläche erscheinen. Dieses beweiset nun deutlich, dasz die Lichtstrahlen, welche von zween Strahlenpunkten ausgehen, sich kreuzen, und sich nicht verwirren, wenn sie durch das Loch, welches man in die Fläche, die man ihnen entgegen setzet, gemacht hat, gehen.

Dieser Versuch zeigt uns, auf welche Art die Strahlen, die von den Gegenständen, welche sich über uns befinden, ausgehen, in die Kugel des Auges kommen, sich darinnen kreuzen, ohne sich doch zu verwirren, und wie jeder in dem innersten des Auges das Bild eines jeden Theiles des Gegenstandes, den sie zurück wirft, deutlich mahlet. Allein wir werden nicht eher von dem Sehen reden, als bis wir in unseren Vorlesungen über die thierische Oekonomie von dem Auge und von seinem Baue handeln werden. Diejenigen, die begierig sind, sich von diesem Vermögen einen Begriff zu machen, können den fünften Band der physikalischen Vorlesungen des Abts Nollet, aus welchem ich die eben angezeigten Versuche, in Ansehung der eigentlichen Optik genommen habe, zu Rathe ziehen.

§399
Veränderungen der Lichtstrahlen auf ihrem Wege.
Die Wirkungen, die wir eben betrachtet haben, finden nur statt, wenn die Lichtstrahlen sich nach einer geraden Linie in einem gleichförmigen Zwischenkörper, der vo einerley Dicke (5) ist, bewegen. Wenn sie aber in verschiedene Zwischenkörper kommen, so leiden sie darinnen in ihren Bewegungen Veränderungen, die wir sogleich untersuchen wollen.

Die Lichtstrahlen, welche durch verschiedene Zwischenkörper gehen, durchbrechen sie perpendicular (4) oder schief. In dem ersten Falle beschleunigen sie ihre Bewegung, oder sie leiden in ihrer Bewegung eine Verzögerung. In dem andern Falle entfernen sie sich von der geraden Linie, die sie zu beschreiben suchten.

§400
Fortsetzung.
Ein Lichtstrahl, welcher durch verschiedene Zwischenkörper geht, beschleunigt seine Bewegung, wenn der Zwischenkörper, in welchem er geht, anziehender ist, als derjenige, durch den er eben gegangen ist. Das Gegentheil geschieht, und er leidet in seiner Bewegung eine Verzögerung, wenn er aus einem mehr anziehenden Zwischenkörper in einen weniger anziehenden geht.

§401
Brechung der Lichtstrahlen.
Wenn ein Lichtstrahl schief durch verschiedene Zwischenkörper gehet, so leidet er in seinem Durchgange eine Brechung, die in von der Perpendikularlinie (4) entfernt, oder selbiger nahe bringt. Er nähert sich der Perpendicularlinie (4), wenn er aus einem weniger anziehenden Zwischenkörper in einen andern geht, der es mehr ist. Wir wollen z.B. annehmen, dasz ein Lichtstrahl AB (Fig. 102.) aus der Luft in das Wasser nach der Richtung AB geht. Wenn dieser Lichtstrahl anfängt, die Oberfläche des Wassers in B zu berühren, so wird er die Richtung BC verlassen, und sich brechen, so, dasz er nach D gehen wird, indem er sich der Perpendicularlinie (4) EF nähert, weil das Wasser ein anziehenderer Zwischenkörper ist, als die Luft.

Gründet sich diese Wirkung auf den Unterschied, den man zwischen der Dicke (5) der Luft und der Dicke (5) des Wassers bemerket? Viele Naturkündiger haben diesz wirklich geglaubt; allein sie haben sich geirret. Denn es würde daraus folgen, dasz die Grade der Brechung mit denen, welche man in den Dichtigkeiten (5) refringenter (6) Körper antrifft, in einem Verhältnisse seyn müssen. Nun hat Newton (24) (a) das Gegentheil bewiesen, und uns von den Resultaten der Versuche, die er in der Absicht gemacht hat, Tabellen geliefert. Man bemerkt auch, dasz ein Lichtstrahl keine Brechung leidet, ob er gleich schief durch das Baumöl in den Borar geht, deren Dichtigkeit sich gegeneinander wie 0,913 : 1,714 verhält. Man bemerkt überdiesz, dasz es zuweilen geschiehet, dasz ein Lichtstrahl eine Brechung leidet, die in der Perpendicularlinie (4) nähert, wenn er schief durch einen dichtern Zwischenkörper in einen weniger dichten gehet. Diesz geschiegt z.B. wenn er schief aus dem Wasser in Terpentinöl gehet, deren Dichtigkeit sich gegen einander, wie 1 : 0,874 verhält.

Es erhellet aus diesen Beobachtungen, dasz man die Gesetze der Brechung nicht blos in dem Unterschiede, der sich in den Dichtigkeiten refringenter (6) Zwischenkörper befindet, suchen müsse, sondern dasz sie von einigen besondern Bedingungen abhängen, die sich sowohl auf die brechenden Körper, als auf den gebrochenen Strahl beziehen. Muschenbroek (23) (b) bringet diese Bedingungen auf dreye: 1.) Auf die Natur des brechenden Körpers. 2.) Auf die Beschaffenheit des fallenden Strahles. 3) Auf den Grad der Neigung dieses Strahles. Er zeigt unmittelbar darauf, dasz, auf was für eine Art auch die Brechung geschiehet, doch allezeit zwischen dem Sinus der Incidenz (7), und dem Sinus der Brechung, ein beständiges Verhältnisz (13) statt findet.

(a) Optic. L. II. Prop. 10.
(b) Phys. §. 1727.

§402
Fortsetzung.
Wenn ein Strahl, oder vielmehr ein Büschel von Lichte schief aus der Luft in Glas geht, so bricht er sich, indem er sich der Perpendikularlinie (4) nähert. Da es nun einerley ist, ob man einen Lichtbüschel schief auf eine Fläche von Spiegelglase, oder perpendikular (4) auf ein krummes Glas richtet, so wollen wir diese letztere Methode, weil sie am bequemsten in Ausübung zu bringen ist, wählen.

Man richte inwendig in einer finstern Kammer einen Lichtbüschel, der durch ein an einem Fensterladen dieser Kammer gemachtes Loch geht. Wenn dieser Büschel auf seinem Wege kein Hindernisz antrifft, und fortfähret, sich in einem gleichförmigen Zwischenkörper, als die in diesem Saale enthaltene Luftmasze ist, zu bewegen, so wird er gerade auf einer entgegenstehenden Fläche einen leuchtenden Zirkel machen. Wenn man aber ein erhaben geschliffenes Glas, welches diesen Büschel in seinem Durchgange auffängt, vorhält, so wird ein Theil dieses Büschels, indem er gerade auf den Mittelpunkt des Glases stöszet, seiner ersten Richtung folgen, und seine Bewegung beschleunigen; während dasz die andern Strahlen eben dieses Büschels, welche auf die schiefe Oberfläche dieses Glases stoszen, und es schief durchdringen, sich brechen werden, indem sie sich dem mittelsten Strahle nähern, welcher hier als die Perpendicularlinie (4) angesehen werden musz; sie werden durch diese Brechung einen Lichtkegel machen, dessen Gipfel in einer mehr oder weniger groszen Entfernung von dem Glase seyn wird, so wie die Converität (8) desselben mehr oder weniger grosz ist; das ist, wie diese Strahlen es mehr oder weniger schief durchdringen werden.

§403
Vortheil der Linsengläser.
Der Ort, wo die Lichtstrahlen zusammenstoszen, um den Gipfel der Pyramide oder des Kegels zu machen, wird der Brennpunkt des Glases genannt. Diese durch ihr Zusammenlaufen versammleten Strahlen machen ein Licht, das mehr concentriert, und folglich lebhafter ist, und die Wirksamkeit der Sonnenstrahlen in den Brennpunkt eines starken Fernglases, bringt auf die dahinter gelegten Körper sehr heftige Wirkungen hervor, wie wir (§.388.) schon angemerkt haben. Allein woferne man sich auf diese oder jene Seite des Brennpunktes ein wenig entfernet, so nimmt die Wirksamkeit der Strahlen merklich ab, und sie sind nicht mehr im Stande, die schwächsten Körper anzugreifen. Sie bringen alsdann nur ein sehr lebhaftes und glänzendes Licht hervor, dessen man sich bedienen kann, Gegenstände zu erleuchten, die nicht anders deutlich zu sehen sind, als wenn sie von einem lebhaften Lichte durchdrungen werden. Die Künstler haben sich dieses Vortheils in mehr als einer Gelegenheit bedienet. Man pflegt mit dem durch ein convexes Glas gebrochenen Lichte die undurchsichtigen Gegenstände, die man mit dem Vergrößerungsglase untersuchen will, zu erleuchten. Der Kupferstecher, der Schmelzarbeiter, und viele andere Künstler verschaffen sich vermittelst einer Kerze, die sie hinter einen mit Wasser gefüllten Becher setzen, ein sehr helles Licht.

§404
Fortsetzung.
Ein anderer Vortheil der Linsengläser ist, dasz sie uns die ihnen entgegen stehenden Dinge unter einem gröszern Umfange, als sie von Natur haben, ins Gesicht bringen. Dieses kommt daher, dasz der Winkel, unter welchem man diese Gegenstände siehet, durch die Brechung gröszer wird, welche die Lichtstrahlen leiden, die davon ausgehen, und durch die Linsengläser, deren man sich bedienet, dringen. Wir werden von den verschiedenen optischen Winkeln, unter welchen man die Gegenstände siehet, ins besondere reden, wenn wir von dem Auge und von dem Sehen handeln werden.

Ob man gleich die Epoche, in welche der Gebrauch der Linsengläser zum Vortheile des Gesichts gesetzt werden musz, nicht genau weisz, so ist doch bekannt, dasz Roger Baco (25), der 1292 zu Orfort starb, die Kunst besasz, diese Arten von Gläsern zu machen, weil er uns dieses Geheimnis hinterlassen hat. (a) Wir wissen auch, dasz Alexander de Spina (26), der 1313 starb, eben diese Gabe hatte. (b) Wir lehren mündlich die Art, diese Gattungen von Gläsern zu verfertigen. Man kann in der Absicht verschiedene Werke, die in jedermanns Händen sind, zu Rathe ziehen. (c)

(a) Perspectiv. p. 3. d. 2. c. 3.
(b) Redi Epist. ad Falconerum.
(c) Paflement, Traite de Microscop. & des Telescopes. Traite d‘ Optique de Thomin.

§405
Erfindung der Ferngläser.
Man bediente sich anfänglich zweyer Gläser, wovon das eine convexer war, und einen Theil einer groszen Kugel ausmachte, und das andere concav war, und einen Theil einer kleinen Kugel ausmachte, um die Gegenstände, die sehr entfernt waren, zu sehen. Man steckte diese beyden Gläser an die Enden einer Röhre von einer gehörigen Länge, und gab diesem Werkzeuge, dasz wir jetzt ein Fernglas nennen, den Namen des holländischen Telescops (9), weil es zu Middleburg in Seeland von Zacharias Janze und Johann Lipperhoy (d) erfunden worden. Andere (e) schreiben diese Ehre dem Roger Baco (25), einige dem Galiläo (28), und noch einigen andern, zu; und man kann vernünftiger Weise nicht entscheiden, wem wir diese glückliche Erfindung zu verdanken haben. Es war mit diesem Werkzeuge, wie mit allen andern neuen Erfindungen beschaffen. Es war in seinem Ursprunge sehr unvollkommen, und Kepler (f) machte es erst vollkommen.

Eine Entdeckung giebt oft zu einer andern Gelegenheit. Das holländische Telescop brachte dasjenige hervor, welches wir das astronomische nennen, welches weiter nichts, als ein Fernglas ist, das aus zwey convexen Gläsern besteht, und dieses wurde von Campani und Hughens zu seiner Vollkommenheit gebracht (27).

Als man die Einrichtung der Ferngläser mit zwey Gläsern überdachte, fand man ein Mittel, einem wesentlichen Mangel abzuhelfen, der aus ihrer Einrichtung nothwendig folgte, und darinnen bestand, dasz sie die Gegenstände verkehrt vorstellen. Man half diesem Fehler ab, indem man zu diesen Arten von Fernröhren vier Gläser nahm (10). Diese vier Gläser sind 1.) ein erhabenes Glas, welches an eines von den Enden des Rohres gesteckt wird, und welches einen Theil einer sehr großen Kugel ausmachet. Man giebt diesem Glase den Namen des Objektivglases, weil es nach der Seite des Gegenstandes gerichtet wird, den man betrachten will. Die drey anderen, die sich auf der Seite des Auges befinden, werden Augengläser genannt. Sie machen gewöhnlich einen Theil einer sehr kleinen Kugel aus, wodurch der optische Winkel, unter welchem die äuszern Gegenstände sich in dem Innersten des Auges mahlen, beträchtlich vermehret wird. Allein je gröszer die Gegenstände in ihrem Umfange erscheinen, desto dunkler und undeutlicher werden sie.

Die Lichtstrahlen, welche aus allen Punkten der Oberfläche des Gegenstandes ausgehen, und, indem sie sich kreuzen, durch das Objektivglas dringen, brechen sich bey diesem Durchgange, und mahlen in dem Brennpunkte dieses Glases das Bild des Gegenstandes, aber in einer umgekehrten Stellung; so dasz wenn das Auge des Beobachters sich hinter einem andern Linsenglase befände, welches wir das erste Augenglas nennen, und welches von diesem Bilde eben so weit entfernt seyn muß, als der Radius der Kugel, wovon er einen Theil ausmachet, lang ist, es diesen Gegenstand verkehrt sehen würde. Wenn man aber ein zweytes Augenglas hinter das erste so steckt, dasz ihre Entfernung der Summe ihrer Brennpunkte gleich ist, so werden die Strahlen, indem sie sich zwischen dem ersten und zweyten Augenglase nochmals kreuzen, in dem Brennpunkte des zweyten, das ist, zwischen dem zweyten und dritten, ein zweytes Bild von dem Gegenstande mahlen, welches aber alsdenn in seiner natürlichen Stellung seyn wird, so dasz das Auge des Beobachters, welches hinter dem dritten Augenglase ist, diesen Gegenstand auf eben die Art sehen wird, als wenn es selbigen mit bloßen Augen ansähe.

Diesz ist die Einrichtung und die Wirkung der Teleskope mit vier Gläsern, wovon man bisher Gebrauch gemacht hat. Allein seit einigen Jahren hat es der berühmte Dolland (29), der den Entdeckungen eines Newton, Eulers und Klingenstierna nachgegangen ist, so weit gebracht, dasz er einem Theile dieser Arten von Ferngläsern abgeholfen; dasz ist die Abweichung der Refrangibilität (6) verbessert, und ihnen den Regenbogen und die Farben, welche die Gegenstände umgeben und vorstellen, genommen hat. Er hat diesen Grad der Vollkommenheit dadurch erreicht, dasz er das Objektivglas dieses neuen Telescops, welches man das achromatische (11) nennet, aus zwey Gläsern von verschiedener Beschaffenheit verfertigte. Dieser geschickte Künstler, der blos mit dem Erfolge seiner neuen Entdeckung, die 1760 bekannt wurde (29), beschäftigt war, hat uns von den Verhältnissen und von den Gestalten der Gläser, deren er sich bediente, keine Beschreibung gegeben. Die Gelehrten, die durch den Erfolg dieser neuen Methode aufgemuntert wurden, haben sich viele Mühe gegeben, sie mit Aufmerksamkeit zu untersuchen. Sie haben den Grund, worauf sie gebauet ist, untersucht und die Wirkungen berechnet; und wir haben davon sehr lesenswürdige Abhandlungen von Herrn Clairaut, (g) und ein sehr gelehrtes Werk des Herrn D’Alembert. (h)

(d) Pet. Borelli de Telescop. invent.
(e) Molineux, Dioptr. nouv.
(f) Kepleri Dioptric
(g) Mem. de l’Acad. des Sciences, 1756. 57. 62.
(h) Opufcul. mathemat. T. III. in 4.

§406
Camera obscura.
Als Johann Baptista Porta eines Tages dasjenige untersuchte, was in dem Innern eines finstern Zimmers, welches durch ein kleines an einem Fensterladen gemachtes Loch Licht bekam, vorgieng, so erstaunte er sehr, als er die äußern Gegenstände an den Wänden dieser Kammer verkleinert erblickte. Weil aber die Bilder dieser Gegenstände nicht recht deutlich waren, so brachte er an dem Fensterladen ein Linsenglas an, worauf sich die Gegenstände auf einer Fläche, welche man dem Brennpunkte des Fernglases gegenüber setzte, sehr deutlich abbildeten. (a)

Man hat seitdem diese Maschine vollkommener und tragbar gemacht. Daher haben die verschiedenen tragbaren finstern Kammern, die Polemoscope (12) von allen Arten, die man erfand, und wovon wir bey der Abhandlung der Katoptrik reden werden, ihren Ursprung.

(a) Joan. Porta, Mag. natur.

§407
Zurückstrahlung des Lichtes. Katoptrik.
Die Katoptrik ist diejenige Wissenschaft, welche sich mit der Betrachtung des zurückstrahlenden Lichtes beschäftiget. Diese Wirkung findet statt, wenn ein Lichtbüschel auf eine Oberfläche, die nicht durchdringen kann,fällt. In diesem Falle kann es geschehen, dasz die feste Oberfläche, die er antrifft, ungleich und rauh ist. Alsdenn strahlt das Licht irregulär auf allen Seiten zurück. Wenn aber die Oberfläche, worauf es fällt, gleich und glatt ist, so strahlt alsdenn das Licht zum Theile nach einen und eben denselben Ort zurück. Ich sage, zum Theile, weil ein Theil dieses Lichtes allezeit von der zurückwerfenden Oberfläche verschlungen, und ein anderer Theil allezeit irregulair zurückgeworfen wird, weil man doch keine vollkommene, gleiche und glatte Oberfläche findet.

Wenn das Hindernisz, welches das Licht alsdann auf seinem Wege antrifft, undurchsichtig ist, so wirft die blosze vordere Oberfläche dieses Körpers das Licht zurück, und dieses thun die metallenen Spiegel. Wenn aber dieser Körper von Natur durchsichtig ist, so werden alsdenn seine beyden Oberflächen zurückstrahlend, und diesz ist der Fall der Spiegel von Glas.

§408
Wie das Zurückstrahlen geschiehet.
Die Erfahrung lehrt uns, dasz die Lichtstrahlen nicht bis auf die Oberfläche des Spiegels gelangen, wenn sie zurückstrahlen wollen, sonder dasz sie zurückprallen, ehe sie noch bis an diese Oberfläche gekommen sind. Diese Erscheinung, welche die ganze Aufmerksamkeit der Naturkündiger verdienet, scheint mir von der Anzahl derjenigen zu seyn, welche man zu erklären nicht wagen darf, wenn man nicht vorher die Natur des Lichtes und der zurückstrahlenden Körper besser erkannt hat. Viele geschickte Naturkündiger nennen nach dem Newton die Ursache, die sie hervorbringt, eine zurückstrahlende Kraft (24). Allein man siehet leicht ein, dasz dieses eine Benennung ist, deren man sich blosz bedienet hat, eine Ursache, die bisher unseren Nachforschungen entgangen ist, zu bezeichnen. Indessen können wir die Bemühungen derer, welche sinnreiche Hypothesen erdacht haben, um von dieser Erscheinung eine Ursache anzugeben, nicht tadeln.

§409
Zurückstrahlende Spiegel.
Praxiteles (30) war der erste, welcher metallene Spiegel, und zwar von Silber (a) verfertigte. Allein man hat seit langer Zeit bemerket, dasz die homogenen Metalle nicht einer so schönen Politur fähig sind, als die heterogenen. Man ziehet daher eine gewisse Vermischung von Zinn und Kupfer vor (31), um zurückstrahlende Spiegel zu machen. Man kann die Schriftsteller, die von dieser Materie geschrieben haben, (b) zu Rathe ziehen.

(a) Plin. Hist. nat. Lib. 33. C. 9. §. 45.
(b) Smith. Opt. Paffement, Traite des Microsc. & Telesc.

§410
Bestimmung des Reflexionswinkels.
Wenn ein Lichtstrahl auf seinem Wege einen undurchsichtigen und glatten Körper antrifft, so strahlt er auf so eine Art zurück, dasz sein Reflexionswinkel seinem Incidenzwinkel (7) gleich ist.

Um die Wahrheit dieses Satzes, welcher die Grundlage aller unserer Kenntnisse in Ansehung der Katoptrik ausmachet, zu beweisen, so fange man auf einen ebenen Spiegel von Metall einen Lichtbüschel auf, den man inwendig in einem finstern Zimmer mit dem Horizonte parallel richtet, und lasse einen Theil dieses Lichtbüschels durch ein Loch von ungefähr drey Linien gehen, das in eine metallene Schiene gemacht ist, die man perpendiculär (4) an den Grade abgetheilten Umfang eines halben Zirkels befestiget, welcher sich nach verschiedenen Seiten bewegen lässet. Man stelle diesen halben Zirkel so, dasz das Licht unter einem bekannten Winkel auf einen flachen Spiegel fällt, der perpendicular (4) in dem Mittelpunkte und auf die Fläche dieses halben Zirkels befestigt ist. Das Licht wird alsdann unter eben diesem Winkel wieder zurückstrahlen, welches man deutlich wird sehen können, wenn man ein rauhgeschliffenes Glas, oder einen Rahmen, der mit in Oel getauchen Papier überzogen ist, an dem Umfang des halben Zirkels so befestiget, dasz dieses Glas, oder dieser Rahmen, mit dem gedachten Winkel übereinstimmet. Denn man wird alsdann sehen, dasz der Lichtstrahl auf diesen Rahmen einen kleinen hellen Zirkel machen wird, dessen Mittelpunkt mit dem angezeigten Winkel genau übereinstimmen wird.

§411
Abbildende Eigenschaft der flachen Spiegel.
Aber die Spiegel werfen nicht allein die Lichtstrahlen, die auf ihre Oberfläche fallen, so zurück, dasz ihr Reflexionswinkel ihrem Incidenzwinkel (7) gleich ist, sondern es wird auch, wenn viele Lichtstrahlen von einem und eben dem selben Gegenstande ausgehen, und auf die Oberfläche eines sehr glatten Spiegels fallen, das Bild des Gegenstandes in eben der Entfernung hinter der Oberfläche des Spiegels, unter einerley Grösze und nach eben der Lage, in Ansehung des Auges des Zuschauers, abgebildet.

Ehe die Strahlen den Gegenstand abbilden, so gehen sie von dem Gegenstande selbst auf das Glas, und von dem Glase kommen sie bis in die Augen zurück. Sie haben also, wenn sie in die Augen gelangen, eben die Stellung, eben die Neigung, eben die Stärke und eben die Richtung, die sie haben würden, wenn sie wirklich aus dem Puncte und aus der Entfernung, in welcher der Gegenstand jenseits des Spiegels zu seyn scheint, herkämen. Folglich müssen sie ihn daselbst so vorstellen, wie sie wirklich thun, und zwar um so vielmehr, da die Seele natürlicher Weise die Gegenstände an das Ende der geraden Strahlen bringet, die auf das Auge, oder demselben gegenüber fallen (a).

(a) Regnault, Entret. de Phys. T. III. p. 173.

§412
Erhabene hohle und vermischte Spiegel.
Auszer den eben gedachten flachen Spiegeln hat man auch erhabene, hohle und vermischte Spiegel erfunden. Allein die engen Gränzen, die wir uns in diesen Abschnitten vorschreiben müssen, erlauben uns nicht, eine weitläufigere Beschreibung davon zu machen. Wir wollen uns hier blos darauf einschränken, dasz wir die Vortheile, die man davon erwarten kann, und den Gebrauch, den man bisher davo gemacht hat, vor Augen legen, zumal, da die Theorie dieser Spiegel sich auf eben den Grundsatz gründet, den wir bereits (§. 410.) erklärt haben, nämlich dasz der Reflexionswinkel dem Incidenzwinkel (7) gleich sey.

§413
Wie die Strahlen von erhabenen Spiegeln gebrochen werden.
Die Erfahrung lehret uns, dasz die Lichtstrahlen, die auf die erhabene Oberfläche eines Spiegels fallen, sich in der Zurückstrahlung ausbreiten. Folglich werde auch parallele Strahlen, wenn man sie auf die Oberfläche eines erhabenen Spiegels richtet, sich in ihrer Zurückstrahlung ausbreiten. Wenn man nun auf die Oberfläche eines solchen Spiegels Strahlen, die schon ausgebreitet sind, richtet, so wird sich ihre Ausbreitung in ihrer Zurückprallung vermehren; und wenn die Strahlen, welche auf die Converität (8) eines Spiegels fallen, zusammenlaufend sind, so wird ihr Zusammenlaufen in ihrer Zurückstrahlung abnehmen, welches eine unmittelbare Folge des allgemeinen Gesetzes ist, das wir (§.410.) erklärt haben.

§414
Verkleinernde Eigenschaft dieser Spiegel.
Wenn man einen Gegenstand in einiger Entfernung von der Oberfläche eines erhabenen Spiegels hält, so wird man das Bild dieses Gegenstandes hinter dem Spiegel in einer mehr oder weniger groszen Entfernung und unter einem kleinern Umfange sehen; weil die zurückgeworfenen Strahlen, welche sich ausbreiten, sich zum Theile für das Auge des Zuschauers verlieren, und nur diejenigen empfängt, die de Mittelpuncte der Kugel näher sind, da denn der Gegenstand unter einem kleinern optischen Winkel erscheinet.

§415
Vergröszernde Eigenschaft der Hohlspiegel.
Die Lichtstrahlen, welche auf die Oberfläche eines Hohlspiegels fallen, werden in ihrer Zurückprallung zusammenlaufend. Allein, wenn diese Strahlen in einem Punkte, welchen man den Brennpunct des Spiegels nennet, vereinigt werden, so kreuzen sie sich, und laufen auseinander. Nun geschieht es, vermöge dieser Eigenschaft des Hohlspiegels, dasz man die Gegenstände von diesen Arten von Spiegel unter einem gröszern, oder unter einem kleinern Umfange, nach den verschiedenen Umständen, die sich auf die Lage des Gegenstandes, auf die Stellung des Spiegels und des Zuschauers (a) beziehen, vorgestellt siehet.

(a) Nollet, Lecons de Phys. T. V. p. 211.

§416
Katoptrische Telescope.
Diese Eigenschaft der Hohlspiegel gab zu den katoptrischen Telescopen Anlasz. Man hat zwo Arten derselben, eine, welche man die Gregorianischen, und eine andere, die man die Newtonianischen Telescope, nach den Namen ihrer Erfinder, nennet. Obgleich das erste Telescop schon 1663 von Gregori erfunden wurde, so wurde es doch erst von Herrn Hadley vollkommen gemacht, und erst 1726 fieng dasselbe an, bekannt und gesucht zu werden (b).

Dieses Telescop besteht aus zwey metallenen Hohlspiegeln, aus einem groszen und einem kleinen. Der erste hat ein Loch, dessen Durchmesser ein wenig kleiner ist, als das Loch in dem andern Spiegel. Er wird an das Ende der Fernrohres, welches dem Auge des Zuschauers zugekehrt ist, gesteckt. Der kleine wird an das andere Ende eben dieses Rohres befestigt. Er wird darein gegen den Mittelpunkt dieses Rohres zu, vermittelst eines metallenen Zapfens, gehänget, der eine Art von Arm hat, welcher an den Hintertheil des Spiegels gelöthet ist, und vermittelst dessen man ihn dem groszen Spiegel nähern, oder davon entfernen kann.
Hinter dem Loche des groszen Spiegels befindet sich eine kleine kupferne Röhre, die zwo Linien trägt. Die nächste am Spiegel ist auf der Seite dieses Spiegels erhaben, und auf der andern Seite flach. Die andere, die gegen die Seite des Auges zugekehret ist, ist auf beyden Seiten erhaben.

Die Lichtstrahlen, welche von den äuszern Gegenständen ausgehen, werden, wenn man sie auf die Oberfläche des groszen Spiegels richtet, von diesen zurückgeworfen, und indem sie zusammenlaufen, mahlen sie in dem Brennpunkt dieses Spiegels ein sehr deutliches Bild. Wenn sich diese Strahlen darauf kreuzen, werden sie auseinander laufend, und sie würden aus dem Rohre gehen, wenn sie nicht den kleinen Spiegel anträfen, der sie zurückwirft, und sie zusammenlaufend macht, damit sie eben diesen Gegenstand weit über das Loch des groszen Spiegels hinaus mahlen können. Aber sie treffen bey dem Ausgange aus diesem Loche das halb flache und halb erhabene Glas an (14), dessen wir vorhin gedacht haben, welches ihre Convergenz vermehret, und verursachet, dasz sich das Bild in einer kleinern Entfernung mahlet. Diese Strahlen werden darauf auseinander laufend. Allein sie finden eine auf beyden Seiten erhabene Linse (15), deren Focus (16) sich in der Entfernung von diesem letztern Bilde befindet, und der sie genugsam zusammen laufend machet, dasz sie ihre erlangte Divergenz verlieren, damit sie parallel werden, und in dem Auge den Gegenstand, der sie zurück geschickt hat, mahlen können.

Das Newtonianische Telescop ist von dem eben beschriebenen verschieden. Da es aber wenig gebraucht wird, so verweisen wir den Leser, in Ansehung seiner Beschreibung, auf die verschiedenen Schriftsteller, die davon gehandelt haben (c).

(b) Nollet, Lecons de Phys. T. V. p. 551.
(c) Trans. Phil. N. 80. Newton, Optiq. L. I. p. 1.

§417
Brennspiegel.
Da die Hohlspiegel die Eigenschaft haben, die Lichtstrahlen zurückzuwerfen, und sie zusammenlaufend machen so müssen sie die Wirksamkeit dieser Strahlen, indem sie concentriren, nothwendig vermehren, und folglich ihre Wirkungen sehr heftig machen. Schon die Strahlen, die aus einer glühenden Kohle kommen, sind hinreichend, verbrennliche Materien anzuzünden (32) (b).

Man setze zwey Hohlspiegel, ungefähr 6 Fusz voneinander, so, dasz ihre Mittelpunkte in einer und eben derselben geraden Linie stehen. Man lege in den Brennpunkt des einen eine angezündete Kohle, und in den Brennpunkt des anderen einen brennbaren Körper, z.B. ein Stück Schwamm. Man blase die Kohle mit einem Blasebalge mit zwo Mündungen an. Wenn die Lichtstrahlen dieser Kohle von dem nahen Spiegel auf den andern zurückgeworfen werden, so werden sie von diesem letztern auf den Schwamm zurückgeworfen, und werden ihn anzünden. Spiegel von vergoldeter oder versilberter Pappe sind dazu hinreichend. Zahn führet an, dasz Neumann zu Wien 1699 einen Spiegel von Pappe machte, welcher die Eigenschaft hatte, Metalle zu schmelzen (a).

(a) Zahn Oculus artificialis.
(b) Bettinus Apiar. 7. pro Gymnas. 1. pr. 2. Schol. 1. Schotti Mag. univ. Part. 1. p. 366. 410.

§418
Katoptrische Seltenheiten.
Wir werden dasjenige, was wir von der Katoptrik haben anmerken wollen, mit der Beschreibung beschlieszen, die wir mündlich von vielen blos curiösen Maschinen machen werden, welche alle auf den oben angezeigten Grundsätzen, beruhen. Diese Maschinen sind Polemoscope (12), die zusammengesetzten finstren Kammern, diejenigen, denen man den Namen der optischen gelassen hat, die Perspective, die walzenförmigen Spiegel, u.s.s.

§419
Newtonisches Farbensystem.
Wir haben bisher das Licht als ein einfaches und homogenes Wesen betrachtet. Jetzt wollen wir es so, wie es wirklich ist, nämlich als zusammengesetzt, in Betrachtung ziehen, und dasjenige, was aus seiner Zusammensetzung erfolgt untersuchen. Isaac Doszius hatte ehemals behauptet, dasz die Farben, unter welchen die gefärbten Gegenstände sich unsern Augen zeigen, in dem Lichte ihren Sitz hätten. Allein niemand, wie ich weisz, hatte es vor dem Newton so weit gebracht, dasz er das Licht aufgelöset, und gezeigt hätte, dasz die Strahlen, woraus es besteht, die Eigenschaft haben, in uns die Empfindungen der verschiedenen Farben, die wir bemerken zu erregen. Seit den Versuchen, die dieser grosze Mann ausfindig gemacht, und die man seitdem so vielemal mit dem volkommensten Erfolge wiederholet hat, beweiszt man, dasz jeder Lichtbüschel aus sieben Hauptstrahlen bestehet, die sowohl in Ansehung ihrer Brechung, als in Ansehung ihrer Zurückprallung von einander verschieden sind, und dasz jeder von diesen Strahlen in uns die Empfindung einer verschiedenen Farbe erregt.

Um diese Wahrheit zu beweisen, mache man an dem Laden eines Fensters, das gegen Mittag liegt, eine Oeffnung von ungefähr vier Linien im Durchmesser, und man fange durch diese Oeffnung einen Lichtbüschel auf. Dieser Büschel wird inwendig in dem Zimmer, welches ich sehr finster voraussetze, auf der Wand, oder auf einer weiszen Fläche, die man gegen die Oeffnung übersetzet, wenn es die Lage des Fensters nicht verstattet, dasz man sich des geraden Sonnenlichts bedienen kann, einen weiszen Lichtzirkel mahlen. Man fange das Licht mit einem flachen metallenen Spiegel auf, um es darauf in das Zimmer zu leiten, so wird man eben diese Erscheinung bemerken.

Man lasse nach diesem den Lichtbüschel schief auf einen von den Winkeln eines Prisma fallen. Dieser Büschel wird sich brechen, sich entwickeln, und auf der gegenüber stehenden Fläche eine an ihren beyden Enden geründete Erscheinung mahlen, die in ihrer ganzen Länge zwischen zwo Parallel-Linien begriffen, und in ihrer Breite in viele verschieden gefärbte Streifen abgetheilt seyn wird. Wenn man die Farben von unten hinauf betrachtet, so werden sie in folgender Ordnung erscheinen: roth, orangenfarb, gelb, grün, blau, indigo und violet (a).

(a) Newton, Opt. Lib. 1. Part. 1.

§420
Fortsetzung.
Obgleich diese Farben in dem Bilde sehr distinkt sind, so kann man gleichwohl nur diejenigen, die ihre Extremitäten beschliessen, für vollkommen homogen ansehen. Denn man musß diese Erscheinung als eine Zusammensetzung von vielen gefärbten Zirkeln ansehen, die in einander fallen. Also fällt das Orangenfarbe zum Theile ins Rothe und zum Theile ins Gelbe. Das Grüne fällt zum Theile ins Gelbe und zum Theile ins Blaue, und eben diese Beschaffenheit findet in Ansehung der fünf Mittelfarben statt, die nicht vollkommen von einander unterschieden sind.

Man kann sich des folgenden Verfahrens bedienen, um sie noch mehr zu trennen. Man lasse den Lichtbüschel durch ein Linsenglas gehen, das einen Brennpunkt von 4 Fusz hat, und 8 bis 10 Fusz weit von dem Fensterladen stehet. Man setze hinter dieses Linsenglas en Prisma. Dieses Prisma wird eine Erscheinung geben, deren Farben mehr getrennt seyn werden, und die man besser wird unterscheiden können. Da der Durchmesser der Lichtzirkel alsdenn viel kleiner seyn wird, die Länge der Erscheinung aber eben dieselbe bleibet, so werden die Farben reiner, obgleich nicht so helle seyn.

§421
Ob die Lichtstrahlen aus mehreren Strahlen zusammengesetzt sind.
Als Newton diese Erscheinung mit Aufmerksamkeit untersuchte, so glaubte er, dasz dieser Lichtbüschel aus Strahlen zusammengesetzt wäre, wovon einige leichter gebrochen werden könnten, als die andern, und das ein jeder von diesen Strahlen eine feste und bestimmte Farbe bey sich führte. Die Versuche, die er darauf machte, diese Wahrheit zu befestigen, bestätigten ihn immer mehr und mehr in dieser Meynung. Ich will hier nur einen Theil der Versuche, die er in der Absicht machte, wiederholen, nämlich diejenigen, die mir am bündigsten, und zu gleicher Zeit am leichtesten zu bewerkstelligen zu seyn scheinen. Wer sich weitläuftiger von dieser Theorie unterrichten will, kann das Werk dieses berühmten Naturkündigers zu Rathe ziehen (a).

Wenn man den vorhergehenden Versuch wiederholet, und das durch das erste Prisma gebrochene Lichte aufgefangen, und es durch den Winkel des andern Prisma gegangen ist, welches einen Fusz von dem ersten entfernt, aber in einer verticalen Lage, das ist, so steht, dasz seine Axe die Axe des ersten Prisma in geraden Winkeln durchschneidet, so werden die durch dieses zweyte Prisma gebrochenen Strahlen alsdenn sich abwenden, und in einer schiefen Lage eine der ersten ähnliche Erscheinung mahlen.

Da diese beyden Prismata sich nach rechten Winkeln durchschneiden, so werde die durch das zweyte verursachten Brechungen die Strahlen, welche das erste vo unten hinauf gewendet hatte, von der Rechten zur Linken werfen. Allein dasjenige, was die eben angeführte Theorie bestätigt, ist, dasz die Farben noch eben dieselben sind, und eben dieselbe Ordnung, wie vorher, untereinander behalten. Dieses beweiset, dasz jeder Strahl seinen vorhergen Grad der Brechung behält, und in uns die Empfindung eben derselben Farbe erreget.

(a) Traite d’Optique

§422
Fortsetzung.
Man kann die sieben Farben, welche die Erscheinung uns zeigt, leicht absondern, wenn man in einer gehörigen Entfernung von einem gebrochenen Lichtbüschel eine dünne metallene Platte setzt, welche mit sieben Löchern, von ungefähr drey Linien im Durchmesser, die in einer geraden Linie stehen, durchbohret ist.

Man bedient sich dieses leichten Mittels, diese gefärbten Strahlen zu trennen, um sie besonders zu untersuchen, und zu zeigen, dasz was für eine Modification man ihnen auch giebt, sie uns beständig die Empfindung einer und eben derselben Farbe verschaffen.

§423
Fortsetzung.
Wenn man den rothen Strahl absondert, indem man ihn durch ein Loch, von ungefähr drey Linien im Durchmesser, gehen lässet, so wird dieser Strahl beständig seine rothe Farbe behalten, man mag ihn entweder zum andernmale brechen, oder zurückprallen, oder auf Oberflächen, die mit verschiedenen Farben gefärbt sind, fallen, oder endlich durch verschieden gefärbte Gläser gehen lassen.

1.) Man sondere den rothen Strahl ab, und setze jenseits des Loches die Ecke eines Prisma, so wird sich dieser Strahl zum andernmale brechen, und auf der gegenüber liegenden Wand, oder auf der Decke des Saales einen kleinen rothen Zirkel mahlen.

2.) Man lasse das andere Prisma, wovon man eben Gebrauch gemacht hat, weg, und fange diesen rothen Strahl auf der Oberfläche eines flachen Spiegels schief auf, so wird dieser Strahl zurückprallen, und an dem Ort wo er zurückprallet, wiederum einen rothen Zirkel sehen lassen.

3.) Man lasse alles in eben derselben Lage; aber anstatt diesen Strahl auf der Oberfläche eines Spiegels aufzufangen, so ergreife man ihn in seinem Uebergange, indem man ihn Rähmen von verschieden gefärbten Taffent (17) entgegen hält, so wird man bemerken, dasz dieser Strahl seine vorige Farbe noch immer behält, doch mit dem Unterschiede, dasz er mehr oder weniger lebhaft seyn wird, so wie die Farbe der Oberfläche, worauf er fällt, der Farbe dieses Strahles mehr oder weniger ähnlich ist.

4.) Man setze diesem abgesonderten Strahle Gläser von verschiedenen Farben entgegen, so wird man bemerken, dasz dieser Strahl auf der Fläche, die man den gefärbten Gläsern gegenüber setzet, seine Farbe behalten wird, wenn er durch sie gegangen ist. Denn es giebt einige, durch welche er nicht durchgehen will, sondern bey deren Begegnung er zurückprallet. Da man die andern Strahlen nach dem, welchen wir eben untersucht haben, beurtheilen kann, so beweisen diese Versuche dasz jeder Strahl in uns die Empfindung einer festen und unveränderlichen Farbe erregt.

§424
Fortsetzung.
Man kann also sagen, dasz ein Lichtbüschel eine Verbindung von Strahlen ist, die sich auf verschiedene Art brechen, und die verschiedene Farben haben. Die Erfahrung lehret auch, dasz die Strahlen, die sich am meisten brechen, zu gleicher Zeit am meisten zurückprallend sind.

Wenn man auf einer der Seiten eines rechtwinkeligen gleichschenkeligen Prisma einen Lichtbüschel auffänget, und dasjenige, was dieser Büschel wird, aufmerksam untersuchet, so wird man bemerken, dasz ein Theil davon unter das Prisma, und ein anderer Theil darüber geht. Man lasse diesen letzten Theil auf ein zweytes Prisma fallen, welches ihn auch darüber führet. Man lasse darauf das erste Prisma langsam um seine Axe sich herumdrehen, so wird man bemerken, dasz die Strahlen, die sich am meisten brechen, zuerst zurückprallen; das ist, dasz diese Strahlen sich bey dem Ausgange aus dem zweyten Prisma in folgender Ordnung mahlen werden: violet, indigo, blau, grün, gelb, orangenfarb, roth.

§425
Entstehungsart der einzelnen Farben an sich selbst.
Die eben angeführten Versuche sind hinreichend, den Satz des Newtons, in Ansehung der verschiedenen Farben, zu bestätigen; und es scheint nicht möglich zu seyn, dasz man sich weigern könne, zu glauben, dasz ein Lichtbüschel aus einer Verbindung von vielen heterogenen Strahlen bestehet, die sich auf verschiedene Art brechen und zurückprallen, und, wenn sie abgesondert werden, im Stande sind, in uns die Empfindung der verschiedenen Farben rege zu machen.

Der weisze Lichtzirkel, den man an der Wand, oder auf einer Fläche bemerkt, die in einem finstern Zimmer so gesetzt wird, dasz sie einen Lichtbüschel, den man in dieses Zimmer leitet, auffänget, bekommt dieses weisze Licht, das wir alsdenn bemerken, blos von der Verbindung der Strahlen von aller Art, woraus er besteht, welches durch folgenden Versuch leicht bestätigt werden kann.

Wenn man durch ein Augenglas einen Büschel von gefärbten, das ist, durch ein Prisma abgesonderten Strahlen, so gehen lässet, dasz das Augenglas den Büschel gänzlich auffangen kann, so wird man in dem Brennpunkte dieses Glases einen kleinen weiszen Zirkel sehen. Wenn dieser Zirkel nicht vollkommen weisz ist, so kommt diesz daher, weil diese Strahlen nicht genug vereinigt sind. Man kann also diesem Zirkel die Weisze, die er haben musz, endlich geben, wenn man ein anderes Augenglas über das erste hinaussetzt.

Wir haben schon angemerkt, dasz ein Lichtbüschel, der durch ein Augenglas gehet, einen Kegel macht, dessen Spitze sich in dem Brennpunkte dieses Glases befindet, und dasz man jenseits dieses Gipfels einen andern Kegel siehet, der dem ersten mit dem Gipfel entgegen stehet. Die Lichtstrahlen, welche ein Augenglas zusammenlaufend macht, fallen also mit einander in einen Punkt, um sich darauf jenseits dieses Brennpunktes zu entwickeln. Wenn man nun, indem man den vorhergehenden Versuch wiederholt, die, die Fläche worauf der Brennpunkt des Augenglases fiel, zurückschiebt, so wird man alsdenn keinen weiszen Zirkel mehr, sondern die sieben Farben in einer umgekehrten Ordnung ganz deutlich sehen. Hieraus folgt, dasz, wenn diese verschiedenen Strahlen vereinigt werden, sie die weisze, wenn sie aber entwickelt werden die übrigen Farben geben.

§426
Fortsetzung.
Der vorhergehende Versuch lehrt uns zwar, dasz die Verbindung der Strahlen die weisze Farbe giebt; aber werden darzu nothwendig alle Strahlen erfordert? Diesz ist eine Frage, welche hier einen Platz verdienet, und welche wir durch folgenden Versuch auslösen wollen.

Man breche einen Lichtbüschel vermittelst eines Prisma. Man lasse diesen Büschel durch ein Augenglas so gehen, dasz man einen weiszen Zirkel in dem Brennpunkte dieses Glases habe. Man fange alsdenn die verschiedenen gefärbten Strahlen besonders auf, ehe sie durch das Glas gehen, so wird man bemerken, dasz die Empfindung des weiszen sich verändern wird, so wie man einige von den Strahlen, den gelben ausgenommen, auffangen wird; woraus denn folgt, dasz die Vermischung der sechs Hauptfarben hinreichend ist, das Weisze hervorzubringen.

§427
Betrachtung der Farben, in Ansehung der gefärbten Körper.
Nachdem man die Farben an sich selbst betrachtet hat, so folgt, dasz wir sie auch in den gefärbten Körpern betrachten, und dasjenige, was die verschiedenen Farben, unter welchen sie sich unsern Augen zeigen, hervorbringt, untersuchen müssen. Obgleich jeder Körper insbesondere eine feste und bestimmte Farbe hat, so gründet sich doch diese Farbe nicht auf sein Wesen. Der Schnee z.B. ist nicht von Natur weisz, das Feuer ist nicht wesentlich roth, u.s.s. Woher kommt aber diese Eigenschaft, welche macht, das gewisse Körper sich allezeit unsern Augen unter einer und eben derselben Farbe zeigen? Dieses wollen wir sogleich aus einander setzen, und dieses wird den Gegenstand der folgenden Versuche ausmachen.

§428
Woher die Farben an den Körpern rühret.
Die Farben, welche wir in den gefärbten Körpern bemerken, gründen sich auf eine besondere Configuration zwischen den Theilchen, die sie ausmachen, die sie in den Stand setzet, diesen oder jenen gefärbten Strahl zurückzuwerfen, oder überzutragen, und die andern zu verschlingen, oder sie zurückzuwerfen, oder so schwach übertragen dasz die Empfindung, die dadurch entsteht, für nichts geachtet werden musz.

Nach dem Newton bestehet diese Einrichtung in den verschiedenen Graden der Dünnheit der kleinen Blättchen oder Theilchen, welche die Oberfläche der Körper ausmachen, und er hat seine Nachforschungen sogar so weit getrieben, dasz er auch auf eine so wahrscheinliche als sinnreiche Art die verschiedenen Grade der Dünnheit bestimmt hat, welche die Bestandtheile der Oberfläche haben müssen, um diesen oder jenen Strahl zurückzuwerfen, oder überzutragen, oder zu machen, dasz ein Körper, der durch die Zurückprallung, oder durch seine Durchsichtigkeit gesehen wird, uns vielmehr von dieser Farbe, als von einer jeden andern zu seyn scheinet.

Er machte diese Berechnung nach folgenden Versuche (a). Er legte zwey Objectivgläser, davon das eine halb flach und halb erhaben (14), und zu einem Telescop von 14 Fusz bequem, das andere aber auf beyden Seiten erhaben war (15), und sich zu einem Telescop von ungefähr 50 Fusz schickte, so auf einander, dasz die flache Oberfläche des einen einer von den erhabenen Oberflächendes andern entgegen stand. Indem er diese beyden Gläser gelinde zusammen drückte, bemerkte er an dem Orte ihrer Berührung einen kleinen zirkelförmigen weiszen Raum, der mit vieln Ringen umgeben war, die verschieden gefärbt, und durch weisze, oder vielmehr durchsichtige Zwischenräume von einander abgesondert waren. Indem er diese beyden Gläser auf eine schwarze Oberfläche legte, wurde der Mittelpunkt, an statt wie in dem ersten Falle, weisz und durchsichtigzu seyn schwarz, und die gefärbten Zirkel blieben, wie vorher.

In diesen beyden Fällen bleibt ein kleiner zirkelförmiger Luftstreif übrig, der zwischen den beyden Gläsern aufgefangen wird. Dieser Luftstreif verdünnet sich in Ansehung der Erhabenheit der beyden Objectivgläser, so wie er sich ihrer Berührung nähert, oder er verschwindet ganz und gar. Daher erscheinet, wenn diese beyden Gläser auf eine schwarze Oberfläche gelegt werden, in dem Mittelpuncte, das ist, in dem Puncte ihrer Berührung, ein schwarzer zirkelförmiger Raum; weil das Licht, wenn es an diesem Orte durch einen hermogenen (18) Zwischenkörper geht, jenseits desselben einen schwarzen und dunklen Grund findet, der es nicht wieder zurückschickt; die Empfindung des schwarzen aber sich auf die Beraubung der Lichtstrahlen gründet, und diese Beraubung allezeit statt findet, wenn die Strahlen mit zurück geworfen, oder weiter gebracht werden.

Diese Vorstellung wird dadurch bestätigt, dasz eben dieser Raum durchsichtig und helle zu seyn scheinet, wenn man die schwarze Oberfläche weglässet, und alsdann durch die Dicke dieser beyden Gläser siehet.

Man wird rings um diesen zirkelförmigen Raum verschiedene gefärbte Zirkel gewahr. Nun hat der zwischen diesen Gläsern aufgefangene Luftstreif verschiedene Grade vo Dünnheit, welche immer abnehmen, bis an den Ort ihrer Berührung. Da also die Farben nach der Abwechslung dieses Streifens gleichfalls abwechseln, so hat Newton nicht ohne Grund gemuthmaszet, dasz die verschiedenen Farben, unter welchen die gefärbten Gegenstände sich unsern Augen zeigen, sich auf die verschiedenen Grade der Dünnheit der Bestandtheilchen ihrer Oberflächen gründen.

(a) Optiq. 1. 2. par. 1. IV. observ.

§429
Grundsätze der Färbekunst.
Es mag nun die Beschaffenheit der Bestandtheilchen der Oberflächen, die die Körper geschickt machet, diesen oder jenen Strahl zurückwerfen, oder durchzulassen, und folglich mehr unter dieser, als unter einer andern Farbe zu erscheinen, in den verschiedenen Graden der Dünnheit dieser Theilchen bestehen, oder sie mag sich auf irgend eine andere Verbindung derselben gründen, so ist es gleichwohl gewisz, dasz man die Bestandtheilchen der Oberflächen der gefärbten Körper nicht verändern kann, ohne ihre Farben zu verändern.
Um dasjenige, was ich in Ansehung der gefärbten Körper anzeigen will, mit einiger Ordnung vorzutragen, so betrachte man folgende Hauptpuncte, die ich durch die Erfahrung festsetzen und beweisen will.

1. Man kann eine bestimmte Farbe hervorbringen, wenn man zwey flüszige Dinge, die jedes besonders keine Farbe haben, und sehr helle sind, mit einander vermischet.

2. Man kann durch den Zusaz eines ungefärbten flüszigen Körpers eine Farbe in eine ander verändern.

3. Zwey gefärbte flüszige Körper nehmen, wenn sie mit einander verbunden werden, eine Farbe an, die von den Farben, welche ein jeder von diesen Farben vor der Vermischung hatte, verschieden ist.

4. Man kann den gefärbten flüszigen Dingen ihre Farbe benehmen, wenn man sie mit ungefärbten flüszigen Körpern vermischet, und man kann die erste Farbe durch den Zusatz eines ungefärbten flüszigen Körpers wieder herstellen.

§430
Fortsetzung.

Zu der ersten Erscheinung.

Man vermische mit einander, So wird man erhalten:
1. Salpetergeist, und die Auflösung der Rosenblüthen, die mit Weingeist gemacht worden ist, das Rothe.
2. Aufgelöstes Quecksilber und Weinsteinöl, Orangenfarbe.
3. Aufgelösten Sublimat und Kalkwasser, das Gelbe.
4. Farbe von Rosen, und Weinsteinöl, das Grüne.
5. Farbe von Rosen, und Uringeist, das Blaue.
6. Aufgelösetes Kupfer, und Salmiacgeist, Indigo.
7. Aufgelöseten Sublimat, und Salmiacgeist, das Weisze.
8. Auflösung von Bienzucker, und Bitriol, das Schwarze.

Zu der andern Erscheinung.

Man vermische mit einander, So wird man erhalten:
1. Tinctur der Sonnenblume, und Salpetergeist eine Feuerfarbe.
2. Veilchensyrup, und Weinsteinöl, das Grüne.
3. Auflösung von blauen Vitriol, und flüchtigen Salmiacgeist, das Dunkelblaue.

Zu der dritten Erscheinung.

Man vermische mit einander, So wird man erhalten:
1. Gelb von Saffrantinctur, Roth von rother Rosentinctur. Das Grüne.
2. Blau von Veilchentinctur, Braun von Schwefelgeist. Das Karmesin.
3. Roth von rother Rosentinctur, Blau von Hirschhorngeist. Das Blaue.
4. Blau von Veilchentinctur, Blau von Kupferauflösung. Das Violette.
5. Blau von Veilchentinctur, Blau von Ungarischer Vitriolauflösung. Indigo oder Purpur.
6. Blau von Kornblumentinctur, Blau von gefärbten Salmiacgeist. Das Grüne.
7. Blau von Ungarischer Vitriolauflösung, Braun, Lauge. Das Gelbe.
8. Blau von Ungarischer Vitriolauflösung, Roth von rother Rosentinctur. Das Schwarze.
9. Blau von Kornblumentinctur, Grün von Kupferauflösung. Das Rothe.

Zu der vierten Erscheinung.

Man vermische mit einander, So wird man erhalten:
1. Grün von Kupferauflösung.
Ungefärbten Salpetergeist.
zerstöhrte Farbe.
Ungefärbtes Weinsteinöl. wiederhergestellte.
2. Roth von rother Rosentinctur.
Ungefärbte Vitrolauflösung.
Schwarz.
Ungefärbtes Weinsteinöl. wieder hergestellte Farbe.
3. Zartes Roth von Rosentinctur.
Ungefärbte Vitrolauflösung.
schönes Roth
Ungefärbter Salmiacgeist. Grün.
Ungefärbtes Vitriolöl. zartes Roth.
4. Grün von Grünspanauflösung.
Ungefärbter Vitriolgeist.
zerstörte Farbe.
Ungefärbter Salmiacgeist.
Ungefärbtes Vitriolöl.
helle und ungefärbt.

§431
Ursache dieser Erscheinung.
Wenn flüszige Körper, die besonders genommen, nicht gefärbt sind, es aber durch ihre Vermischung werden, so kann diese Veränderung nur von der Beschaffenheit ihrer Theile herkommen, die sie geschickt macht, diesen oder jenen Strahl besonders durchzulassen; dagegen sie, wenn man jeden besonders nimmt, selbige alle ohne Unterschied durchlassen.

Eben dieselbe Ursache kann, wenn sie auf eine veschiedene Art wirket, auc die andern Erscheinungen, die wir darauf angemerket haben, hervorbringen. In der That, nichts stimmet mit der Natur der flüszigen Dinge, deren wir uns bedienet haben, mehr überein, als wie der Abt Nollet (a) sehr wohl anmerket, zu glauben, dasz Salpetergeist, welcher auf Sonnenrosentinctur gegossen wird, die allzu groben Theilchen dieser Auflösung zertheilet, und diesen Theilchen unter sich ein solches Verhälnis giebt, dasz diese neue Vermischung geschickt wird, den rothen Strahlen den Durchgang zu verstatten, während das Weinsteinöl, welches durch seinen Zusatz mit dem Veilchensyrup eine widrige Wirkung hervorbringet, in dieser Vermischung nur Oeffnungen lässet, die ein von der Natur schwächeres Licht, dergleichen das Licht der grünen Strahlen ist, durchgehen lassen können.

(a) Nollet, Lecons de Phys. T. V. p. 436.

§432
Fortsetzung.
Wenn man diese verschiedenen Vermischungen fortsetzet, so bemerkt man, dasz alle Erscheinungen genau mit dieser Theorie übereinstimmen.

Wenn man eine Auflösung des fressenden Sublimates auf Weinsteinöl gieszt, so verliehren diese beyden Körper, welche, besonders genommen, helle sind, ihre Helligkeit in der Vermischung, und machen eine dunkle Rothfarbe. Wenn man flüchtigen Salmiacgeist darauf gieszt, so wird die Vermischung milchig. Endlich verschwindet die Farbe, und die erste Helligkeit kommt wieder hervor, wenn man auf die Vermischung eine gewisse Quantität Salpetergeist gieszt.

Wenn wir diese Erscheinungen in Betrachtung ziehen, so sehen wir, dasz sie mit der Erklärung, welche wir eben von den vorhergehenden gegeben haben, sehr wohl übereinstimmen. Denn die Helligkeit besteht in der vollkommenen geradlinigen Lage der Poren der hellen Körper nach allen Seiten. Diese geradlinige Lage gründet sich also auf das Verhältnisz, welches die Bestandtheile dieser Wesen gegen einander haben. Wenn man daher gleich zwey Wesen, die, besonders genommen, helle sind, mit einander vermischet, so folgt daraus noch nicht, dasz ihre Vermischung eben diese Eigenschaft haben müsse. Man darf sich also nicht wundern, wenn die Vermischung von zwey hellen flüszigen Körpern undurchsichtig wird.

Der auf eine solche Vermischung gegoszne Salpetergeist stellt die Helle wieder her, weil diese scharfe Säure die Bande, welche die Theilchen der Säfte sich durch ihre Vermischung gemacht hatten, zerreiszt, und folglich ihre erste Lage wieder herstellet.

§433
Einflusz der Luft in die Farbe der Körper.
Alles, was die Lage und Stellung der Bestandtheile der vermischten Dinge verändern kann, wird sie geschickt machen, verschiedene Strahlen zurückzuwerfen, und wird folglich ihre Farbe verändern, nachdem die Veränderung, welche in der Stellung ihrer Theilchen vorgegangen ist, mehr oder weniger grosz ist.

Die Berührung der Luft und des Feuers bringet alle Tage dergleichen Veränderungen hervor, worauf der gemeine Haufe nicht aufmerksam ist, welche aber ein Naturkündiger zu bewundern nicht unterlassen kann. Die Berührung des ersten dieser beyden flüszigen Dinge müssen wir der grünen Farbe zuschreiben, welche die Wiesen dem Gesichte so reizend macht. Denn das Gras hat von Natur keine Farbe vorzüglich von der andern. Ohne die Berührung der Luft, der es beständig ausgesetzt ist, würden wir alles Gras von einer Weisze sehen, die das Gesicht ermüden würde. Wir haben hiervon ein Beyspiel in der Cultur unserer Gärten. Die Cichorie, z.B. welche in freyer Luft wächst, treibt Blätter, die allezeit grün sind. Diejenige aber, welche auf Beeten oder unter Glocken wächst, wird niemals grün. Sie behält diese Weisze, die sie bis auf unsere Tafeln mitbringet.

Man findet an den öst- und westlichen Küsten von England eine Art von Muschel, die in Ansehung der Farbe, die sie uns giebt, unter den Namen der Purpurmuschel bekannt ist. Diese Muschel gleicht sehr dem Murex, oder Buxinum, aus welchem die Alten diese Farbe zogen. Wenn man diese Muschel zerbrochen, und den Fisch herausgenommen hat, so siehet man an dem Kopfe dieses Thieres eine in die Quere laufende Ader. Wenn man diese Ader aufmachet, und den Saft auf weisze Leinewand drücket, so sieht die Farbe sehr schön grün aus. Wenn man sie aber in die Sonne legt, so wird sie in wenig Minuten dunkelgrün, darauf Meergrün, bläulich, roth purpurfärbig und wenn man sie eine oder zwo Stunden in der Sonne lässet, so bekommt sie eine sehr schöne feste Purpurfarbe.

§434
Und des Feuers.
Die der Wirkung des Feuers überlassenen Körper geben uns oft eben diese Erscheinungen. Dieses flüssige Wesen verändert die Einrichtung der unmerklichen Theilchen, woraus z.B. die Schaalthiere, als die Krebse, die Krabben, und einige andere von dieser Gattung bestehen, dergestalt, dasz, wenn diese Schaalthiere einige Zeit der Wirkung des Feuers überlassen werden, sie eine sehr schöne rothe Farbe erhalten.

Die tolbotische Dinte ist gleichfalls ein Beweis dieser Wahrheit. Wenn man mit Colbot-Tinktur auf weiszes Papier schreibt, so wird, sobald die Ausdünstung des Vesiculum (19), welches das Colbot in der Auflösung erhält, wegenommen hat, auf dem Papiere von dem Wesen, welches sich darauf befindet, ganz und gar kein Eindruck mehr zu sehen seyn. Wenn man aber dieses Papier warm machet, so werden die mit den Colbot gemachten Züge eine grüne Farbe annehmen, welche sie sehr deutlich unterscheiden wird, und welche verschwinden werden, so wie das Papier wieder kalt wird, aber sogleich wieder erscheinen, sobald man es von neuen warm gemacht hat.

Eine rothe in den Rauch von Schwefelblumen gelegte Rose verlieret ihre Farbe, und wird weisz.
Alle diese Versuche beweisen uns auf eine sehr deutliche Art, dasz die Farben, unter welchen wir die verschiedenen gefärbten Gegenstände sehen, sich blosz auf die verschiedenen gefärbten Gegenstände sehen, sich blosz auf die besondere Stellung ihrer Theilchen gründen, die sie geschickt macht, die verschiedenen gefärbten Strahlen zurückzuwerfen, oder durchzulassen. Da aus der Vereinigung aller Strahlen eine weisze Farbe entstehet, so sehen die Körper, welche ohne Unterschied alle Strahlen zurückwerfen, in unsern Augen weisz aus, und diejenigen, die sie verschlingen, müssen aus der gegenseitigen Ursache schwarz aussehen. Dieses wird durch die Vermischung einer Infusion von Gallapfel mit einer Infusion von Eisenvitriol hervorgebracht.

Der Eisenvitriol enthält viele eisenhältige Theile. So lange diese Theile sich frey befinden, und frey in der Auflösung herumschwimmen, benehmen sie der Durchsichtigkeit nichts, weil sie von einer Dünne und von einer Gestalt sind, die sich so mit einander verbinden können, dasz sie allen Arten von Strahlen den freyen Durchgang verstatten. Die Vitriolauflösung ist auch, wenn sie noch frisch und nicht zu stark ist, sehr helle. Wenn man sie aber mit dem Galläpfelsafte vermischet, so vereinigen sich die eben gedachten eisenhaltigen Theile mit den gummigten Theilen des Gallapfels. Sie machen ein neues Gewebe, das den Strahlen nicht mehr den freyen Durchgang verstattet, und selbige werden in der Vermischung, die folglich schwarz aussehen muß, so zu sagen, verschlungen.

Man kann diese Wirkung vernichten und die Durchsichtigkeit wieder herstellen, wenn man auf die Vermischung einige Tropfen Salpetergeist gieszt.

Der Salpetergeist ist das wahre auslösende Mittel aller eisenhaltigen Theile. Sobald man folglich etwas davon auf eine solche Vermischung gieszet, so bemächtigt er sich dieser Art von Theilen, sondert sie von den Theilen des Gallapfels ab, und stellt die erste Einrichtung der Vermischung wieder her.

Diejenigen, welche eine gröszere Reihe Versuche von dieser Art zu lesen begierig sind, können die Schriftsteller, die über diese Materie geschrieben haben, (a) aus welchen ich einen groszen Theil der eben angeführten Versuche genommen habe, zu Rathe ziehen.

(a)Tentamina Florentina, Part. II. p. 93. Boerhaave, Chemia, V. 2. p. 535. Helfam, Ch. 10. p. 304. Hierne. Acta chemic. Holmius, S. 2. C. 6. p. 186

TABELLEN – ABBILDUNGEN

Sigaud de la Fond Abbildungen Sigaud de la Fond Abbildungen

Redaktionelle Bemerkungen von Optiker Online!

(1) Rahm – Rahmen
(2) Schleyerrahm – Mattglas
(3) Diaphragma – Blende
(4) perpendicular – im Lot bzw. 90° zur Fläche
(5) Dicke – optische Dichte des Mediums; als Kennzeichnung dient der Brechungsindex. Dieser gibt das Verhältnis der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes im Vakuum zum jeweiligen Medium an. Wasser n=1,333; Kronglas n=1,518; Diamant n=2,417
(6) refringent – lichtbrechend
(7) Incidenz – einfallen, bzw. einfallender Lichtstrahl
(8) Converität – Krümmung (vergleiche convex & concav)
(9) Holländisches bzw. Galliläisches Fernrohr
(10) Terrestrisches bzw. Keplerfernrohr
(11) achromatisch – Bezeichnung für ein Linsensystem mit für zwei Farben behobenen Farbfehler
(12) Polemoscop –
(13) Der Autor meint damit, das um 1618 von Snell van Royen (1581-1626) gefundene, Brechungsgesetz (sin e : sin e‘ = n : n‘)
(14) Gemeint ist eine Plankonvexlinse
(15) Gemeint ist eine Bikonvexlinse
(16) Focus – Brennpunkt
(17) Taffent – französisch; ein Seidengewebe in Leinwandbindung
(18) hermogen – homogen; so werden optische Medien (z.B. Brillengläser) genannt, wenn die optischen Eigenschaften innerhalb des ganzen Körpers überall gleich sind; d.h. gleicher Brechungsindex, keine Schlieren, …
(19) Vesiculum – Harnblase
(20) Epikur – griechischer Philosoph (341-271 v.Chr.)
(21) Renatus Cartesius – lateinischer Name für den französischen Denker und Gelehrten Rene Descartes (1596-1650). Descartes war Vertreter des Nationalismus, Mathematiker und Schöpfer der analytischen Geometrie.
(22) Christian Huygens (1629-1695) erklärte das Licht als eine Wellenbewegung; fand das Gesetz der Fliehkraft, erklärte die Doppelbrechung u.v.m.
(23) Petrus van Musschenbroek (1692-1761), Physiker
(24) Sir Isaac Newton (1643-1727), englischer Naturforscher, bahnbrechend in Teilgebieten der Physik. Unter anderem Untersuchung der Spektralfarben. Der Newtonsche Farbenkreisel besteht aus einer Scheibe mit 7 Ausschnitten in den Grundfarben, die bei rascher Drehung Weiß zeigt.
Newton war strenger Vertreter der Teilchentheorie und versuchte den Vorgang von Reflexion und Brechung mittels „fernwirkender Kräfte“, welche sich in der Nähe von spiegelnden und brechenden Flächen befänden zu erklären (siehe Buchkommentar).
(25) Roger Bacon (1214-1294), englischer Franziskanermönch; Er schrieb in seinem 1267 veröffentlichten „Opus majus“ über plankonvexe Linsen als vorbildliches Werkzeug für Greise und Personen mit schwachen Augen. Er betonte, daß man mit einer plankonvexen Linse noch so kleine Buchstaben in geeigneter Größe sehen könne. (Sigaud de la Fond gab 1292 und Orfort als Sterbejahr und Ort an; in der uns bekannten Literatur wird zumeist 1294 angeführt.)
(26) Alexander de Spina (1313 verstorben), italienischer Dominikanermönch; In der Chronik des Dominikanerklosters zu Pisa nachzulesen: „Bruder Alexander della Spina, ein bescheidener und guter Mann, verstand es alle Erzeugnisse welcher er sah oder von denen er hörte, auch auszuführen. Er fertigt Brillen an, welche zuerst von jemanden gemacht wurden, der darüber aber nichts mitteilen wollte.“
(27) Campani und Huygens bauten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts extrem langbrennweitige Fernrohre (40 Brennweite und mehr) um optische Abblildungs- bzw. Linsenfehler zu vermeiden. Der Nachteil war eine extrem unhandlichen Größe.
(28) Galileo Galilei (1564-1642) entdeckte 1609 mit einem Fernrohr holländischer Bauart die Jupitermonde.
(29) Dollond, fertigte 1760 als erster achromatische Fernrohrobjektive und galt lange als dessen Erfinder; tatsächlich wurde der Achromat von Chester Moor Hall (1704-1771) bereits um 1730 erfunden.
(30) Praxiteles – griechischer Bildhauer um 350 v. Chr. in Athen. Er schuf Götterbilder, unter anderem den Hermes.
(31) Bis in die Mitte des 19. Jahrhundert war Silber in kompakter Form der Spiegelwerkstoff. Die ersten Telescopspiegel aus einer Legierung (66,7% Kupfer, 22,2% Zinn, 11,1% Arsen) wurden 1668 gefertigt. Diese Legierung läßt sich gut schleifen und polieren. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden chemisch versilberte Glasspiegel hergestellt. Heute werden Spiegel durch Aufdampfen im Hochvakuum hergestellt.
(32) Archimedes (287-212 v.Chr.) wird die Erfindung des Brennspiegels zugeschrieben. Er soll der Legende nach bei der Belagerung von Syrakus römische Schiffe durch (Hohlspiegel) Brennspiegel in Brand gesetzt haben.
(33) Olaf Römer (1644-1710) stellte astronomische Beobachtungen an und gab 1676, mit Hilfe von Beobachtungen der Jupitermonde, die Geschwindigkeit des Lichtes mit 300.000 km/sek. an.

Kommentar

Zum Author Sigaud de la Fond

Der Naturwissenschaftler Sigaud de la Fond (1730-1810) war Professor der Experimentalphysik und Lehrer der Mathematik an der Pariser Universität. Als Mitglied der königlichen Societät der Wissenschaften zu Paris, Angers, Montpellier und der kurfürstlichen bayrischen Akademie experimentierte er 1776 mit Macquer und fand heraus, daß bei der Verbrennung von Wasserstoff Wasser entsteht. Diese Entdeckung verhalf Lavoisier und Cavendish bei ihren späteren Experimenten. Er verfaßte mehrere Bücher über Experimentalphysik, u.a. das hier beschriebene (1780),schrieb unter anderem ein Wörterbuch über die Naturwunder (1790), befaßte sich mit medizinisch-physikalischen Fragen vor allem mit der Wirkung von Elektrizität am menschlichen Körper zur Krankheitsbekämpfung.

In seinem 1780 entstandenen Buch über Experimentalphysik widmete er einen großen Teil der Optik. Optiker Online! freut sich, mit dem Ankauf dieses Buches, wertvolle Einblicke in das optische Verständnis des 18. Jahrhunderts zu ermöglichen.

Die Frage nach Ursprung und Eigenart des Lichtes

Der griechische Philosoph Epikur (341-271 v.Chr.) vertrat die Ansicht, daß Licht wie der Geruch „ein Ausfluß des Körpers“ sei.
Rene Descartes (1596-1650; lat. Renatus Cartesius) meinte, daß das Licht ein „unermeßliches Fluidium“ sei und aus außerordentlich kleine Kügelchen bestehe. Er bemerkte allerdings auch, daß sich die Lichtteilchen durch eine Art von Zittern, ähnlich dem Schall in der Luft bewegt!
Isaac Newton (1643-1727) suchte Erklärungen für wesentliche optische Erscheinungen wie Reflexion und Lichtbrechung. Er nahm an, daß Lichtquellen kleine, unwägbare Teilchen aussendet und war somit ein Vertreter der Theorie der Teilchenstrahlung.
Christian Huygens (1629-1695) stellte schließlich 1676 die auf Descartes Theorie aufgebaute Wellentheorie auf, trug sie an der französischen Akademie vor und hielt sie in seinem 1690 erschienen Buch „Traite de la lumiere“ fest. Sie blieb jedoch längere Zeit relativ unbeachtet. Erst Thomas Young (1773-1829) und Augustin Fresnel (1788-1827) verhalfen der Wellentheorie zu breiten Anerkennung.

Gelehrte mehrerer Jahrhunderte vertraten die eine oder andere Ansicht. Erst die Quantentheorie erklärte, daß beide Auffassungen, sowohl Teilchen- als auch Wellentheorie zu Recht bestehen.

Die Physik war bis in das späte 19. Jahrhundert von mechanischen Vorstellungen beherrscht. Sigaud de la Fond schrieb z.B.: „Man kann sich also nicht weigern zu glauben, daß das Licht unmittelbar aus dem eigenen Wesen der Sonne und der leuchtenden Körper, seinen Ausfluß haben.“
Er war sich der Bewegung des Lichtes bewußt und zitierte Bradley, der gemessen hatte, daß das Licht 8 Minuten 13 Sekunden von der Sonne zur Erde benötigt.

Olaf Römer (1644-1710) hatte Galilei’s Hinweis über das Verschwinden und Auftauchen der Jupitermonde im Jupiterschatten gelesen und berechnete bereits 1676 die Lichtgeschwindigkeit, indem er den Zeitraum einer in regelmäßigen Zeitintervallen eintretenden Verfinsterung eines Jupitermondes maß. Je nach Entfernung des Jupiters zur Erde dauert die Verfinsterung länger oder kürzer – Römer kannte die jeweilige Entfernung und konnte somit die Geschwindigkeit des Lichtes berechnen.
Bradley machte 1727 exaktere Berechnungen mittels des Wissens um die Erdgeschwindigkeit (30 km/sek).
1853 berechnete Jean Bernard Leon Foucault (1819-1868) mittels eines rotierenden Spiegel die exakte Lichtgeschwindigkeit (299.796 km/sek +/- 4km/sek).

Lichtbrechung und Reflexion

Snell van Royen (1581-1626) stellte 1618 das Brechungsgesetz auf. Er fand heraus, daß sich Licht in unterschiedlichen, optischen Medien unteschiedlich schnell ausbreitet. Er bemerkte, daß Lichtstrahlen beim Übergang von einem Stoff in den angrenzenden Stoff gebrochen werden und sah, daß es für jedes Medium ein genaues Verhältnis zwischen einem einfallenden Lichtstrahl in Luft und gebrochenen Lichtstrahl im zu messenden Medium besteht.

sin einfallender Lichtstrahl (in Luft/Vacuum)
————————————————————- = Brechzahl
sin gebrochener Lichtstrahl (zu messender Stoff)

Die Brechzahl gibt das Verhälnis der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes im Vakuum zum jeweiligen Medium an.

Isaac Newton versuchte den Vorgang von Reflexion und Brechung mittels „fernwirkender Kräfte“, welche sich in der Nähe von spiegelnden und brechenden Flächen befänden zu erklären. Er nahm an, es wirke auf das Licht in einer sehr kleinen Grenzstrecke eine anziehende Kraft in der Richtung des dichteren Mittels, die in fixer Entfernung von der Trennfläche fest wäre. Aus dieser vermeintlichen, anziehenden Wirkung folgerte er, daß die Lichtgeschwindigkeit im dichteren Medium proportional zum Brechungsexponenten ansteigt und sich beim Übergang in dünnere Medien veringert.
Eine falsche Schlußfolgerung die, wie sich später herausstellte, aufgrund der anerkannten Autorität Newtons noch lange zu Verwirrungen führte.

Sigaud de la Fond schrieb z.B.:

Gründet sich diese Wirkung (Anm. gemeint ist die Lichtbrechung) auf den Unterschied, den man zwischen der Dicke der Luft und der Dicke des Wassers bemerket? Viele Naturkündiger haben diesz wirklich geglaubt; allein sie haben sich geirret. Denn es würde daraus folgen, dasz die Grade der Brechung mit denen, welche man in den Dichtigkeiten refringenter (Anm. lichtbrechender) Körper antrifft, in einem Verhältnisse seyn müssen. Nun hat Newton das Gegentheil bewiesen, und uns von den Resultaten der Versuche, die er in der Absicht gemacht hat, Tabellen geliefert.

Trotz dieser von Snell van Royen aufgestellten, noch heute gültigen Erkenntnis wurde öfters die optische Dichte mit der spezifischen Dichte verwechselt:

Man bemerkt auch, dasz ein Lichtstrahl keine Brechung leidet, ob er gleich schief durch das Baumöl in den Borar geht, deren Dichtigkeit sich gegeneinander sie 0,913 : 1,714 verhält. (Anm. die optische Dichte beträgt 1,515 : 1,516 => fast keine Brechung) Man bemerkt überdiesz, dasz es zuweilen geschiehet, dasz ein Lichtstrahl eine Brechung leidet, die in der Perpendicularlinie nähert, wenn er schief durch einen dichtern Zwischenkörper in einen weniger dichten gehet. Diesz geschiegt z.B. wenn er schief aus dem Wasser in Terpentinöl gehet, deren Dichtigkeit sich gegen einander, wie 1 : 0,874 verhält. (Anm. optische Dichte 1,33 : 1,44 => in Wirklichkeit vom optisch weniger dichten in den optisch dichteren Körper => Brechung zum Lot bzw. zur Perpendicularlinie)

Einige optische Anwendungen um 1780

Sigaud de la Fond beschreibt nicht nur verschiedene Fernrohrarten. Er widmete mehreren anderen Anwendung seine Aufmerksamkeit.
Eine interessante Beschreibung stellt die Lichtverstärkung mittels einer Wasser gefüllten Kugel dar:

Der Kupferstecher, der Schmelzarbeiter, und viele andere Künstler verschaffen sich vermittelst einer Kerze, die sie hinter einen mit Wasser gefüllten Becher setzen, ein sehr helles Licht.

Natürlich wurden zu dieser Zeit bereits Sehhilfen zur Korrektion der Presbyopie (Alterssichtigkeit) angefertigt:

Ein anderer Vortheil der Linsengläser ist, dasz sie uns die ihnen entgegen stehenden Dinge unter einem gröszern Umfange, als sie von Natur haben, ins Gesicht bringen.

Ausführliche Betrachtungen zur Farbenlehre

Heute ist allgemein bekannt, daß weißes Licht alle Farben enthält und beim Durchlaufen eines Prismas in sein Spektrum zerteilt wird. Newton wies dies experimentell nach. Zur Bequemlichkeit teilte er das Spektrum in sieben Farben ein. Sigaud de la Fond spricht von den „sieben Hauptstrahlen“.
Goethe vertrat (nebst anderen) die falsche Ansicht, daß ein Prisma das weiße Licht färbt. Sigaud de la Fond widmete Newtons Meinungen zur Farbentstehung 10 Kapitel (§419 – §428)! Um Newtons Farbenlehre zu untermauern spricht er von folgendem Versuch mit einem Augenglas:

Wenn man durch ein Augenglas einen Büschel von gefärbten, das ist, durch ein Prisma abgesonderten Strahlen, so gehen lässet, dasz das Augenglas den Büschel gänzlich auffangen kann, so wird man in dem Brennpunkte dieses Glases einen kleinen weiszen Zirkel sehen.

Sigaud de la Fond beschreibt auch die Newtonschen Interferenzringe und die chemischen Bestandteile zur Färbekunst. Alles in allem ein sehr interessantes Werk, welches uns die optische Denkweise mit den vorherrschenden Meinungsverschiedenheiten und unterschiedlichsten Theorien verstehen lässt.


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