Richtige Sehdistanzen berechnen

Marco S.:*
Sehr geehrte Damen und Herren
Als Quereinsteiger in Bereich Brillenberatung möchte ich meine Kenntnisse nach meinem Grundkurs noch etwas im Selbststudium verbessern. Mit den Angaben der Dioptrie Alter und Addition auf dem Brillenrezept habe ich noch etwas Mühe. Mein Ziel ist es, aufgrund dieser Daten bestimmen zu können welche Brille Nah-,Fern-, Business-, oder Gleitsichtbrille die richtige Wahl ist. Eigentlich klappt es mit der Bedarfsanalyse recht gut und der Kunde sagt mir im welchen Bereichen er schlecht sieht. Ich möchte jedoch anhand der Werte des Brillenrezeptes die Sehdistanzen berechnen noch besser berechnen können. Gibt es Unterlagen oder Computerprogramme mit denen ich diese Berechnungen üben kann.
Da mir meine neue Tätigkeit sehr viel Freude macht und ich die Kunden optimal Beraten möchte währe ich Ihnen sehr dankbar wenn Sie mir helfen könnten.

Gruss aus der Schweiz


OPTIKER ONLINE:
Sehr geehrter Herr S.!*

Gerade die von Ihnen angesprochenen Themengebiete sind sehr komplex und setzen in Wirklichkeit ein Studium der Augenoptik und/oder Optometrie voraus. Welchen Grundkurs haben Sie besucht? Aus Ihren Ausführungen schließe ich, dass es sich nicht um eine Ausbildung zum Augenoptiker handelt.

Dies soll nicht präpotent klingen, jedoch bedarf es umfassende Grundkenntnisse um die von Ihnen angesprochenen Produkte zu verstehen oder gar Klienten seriös zu beraten.

Verstehen Sie mich nicht falsch, die Augenoptik/Optometrie ist keine Geheimbündelei, allerdings dauert die Ausbildung zum Augenoptikermeister in Österreich nicht umsonst 6 1/2 Jahre - schließt man ein Studium in klinischer Optometrie an kommen noch weitere 3 Jahre hinzu.

Nun mal konstruktiv:

Die Addition ist wohl abhängig vom Alter, u.a. hat dies Donders bereits im 19. Jahrhundert im Rahmen einer Darstelung der Akkommodationsbreite in verschiedenen Lebensaltern dokumentiert. Diese angegebenen Akkommodationsbreiten weisen selbstverständlich in der Realität Streubreiten auf.

Um optimal beraten zu können, ist eine vorhergehende Brillenglasbestimmung (im Idealfall auch unter Berücksichtigung des Binokularsehens) Voraussetzung. Wenn der Kunde bereits eine Brille hat und Ihnen Bereiche nennt, wo er schlecht sieht kann nämlich auch die tatsächliche Refraktion von der ursprünglichen (vielleicht älteren) Verordnung abweichen.

Zudem ist ein hoher Kenntnisstand betreffend der am Markt befindlichen Gleitsichtsysteme erforderlich. Falls Sie sich ein wenig einlesen wollen bieten sich sehr gut folgende Bücher an:
http://www.optikum.at/modules.php?name=News&file=article&sid=257
http://www.optikum.at/modules.php?name=News&file=article&sid=644
http://www.optikum.at/modules.php?name=News&file=article&sid=159
http://www.optikum.at/modules.php?name=News&file=article&sid=73

Zuden oben genannten Büchern wäre dann noch ein Kenntnisstand zu Fehlsichtgkeiten und deren Korrektur unabgänglich. Für die Voraussetzungen bei der Versorgung seheingeschränkter Personen ist selbstverständlich zusätzliches Wissen in den Gebieten der Anatomie, Pathologie und Physiologie notwendig.

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass eine autodidaktische Aneignung der Beratungskompetenz für Gleitsicht- und Arbeitsbrillen wahrscheinlich nicht erworben werden kann. Ich empfehle Ihnen daher bei tiefergehenden Interesse die Kontaktaufnahme mit dem Schweizerischer Berufsverband für Augenoptik und Optometrie (SBAO, http://www.sbao.ch) betreffend einer Ausbildung zum Augenoptiker. In Österreich werden Ausbildungen zum Augenoptiker in Wien (www.optiker.at/ausbildung) oder in Tirol (www.tirol.wifi.at) angeboten.

*Nachname des Leserbriefschreibers der Redaktion bekannt


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