Suche Informationen über ein altes Fernrohr "Busch"

Thorsten L.:*
Hallo!

Im "1. virtuellen Museum der Augenoptik" wird auf der Seite "Maschinen und Geräte anno 1920" eine Firma E. Busch erwähnt. Mich würde sehr interessieren, ob
Sie uns zu dieser Firma weitere Informationen geben könnten, und zwar aus folgendem Grund: wir haben ein scheinbar sehr altes Fernrohr gefunden (ein ausziehbarer messingfarbener Refraktor), der u.a. als Herstellersymbol den Namen Busch trägt. Wir versuchen nun herauszufinden, von wem und von wann dieses
Fernrohr stammt. Wir sind für jeden Hinweis dankbar!

Mit freundlichen Grüßen

Thorsten Lisker!


OPTIKER ONLINE:
Sehr geehrter Herr Lisker!

Die von Ihnen gesuchte Firma Emil Busch A.-G. hatte ihren Firmensitz in Rathenow und erzeugte optische Waren wie z.B. auch Galilei,- und Prismen-Ferngläser, Fernrohre, Zielfernrohre, Brillengläser und optische Instrumente aller Art. 1845 übernahm der Mechaniker und Student der optischen Wissenschaft Emil Busch (6.8.1820-1888) den Betrieb seines Onkels, des Industrie-Optikers Eduard Duncker, mit 67 Mitarbeitern und stellte die Schleifereien mittels einer Dampfmaschine von Handbetrieb auf Kraftbetrieb um. Die Firma Busch war die erste Firma im deutschsprachigen Raum, welche sich in der Herstellung von Fernrohren mit Porroprismen (1865) versuchte. Auf der Pariser Weltausstellung 1867 kam es zu einem Höhepunkt des Wettstreits der Firmen Voigtländer und Busch. Busch stellte dort ein zehnzölliges Petzval-Objektiv zur Schau. Danach verbesserte unter anderem die Firma Busch die "Doppelfernrohre" dahingehend, daß die Pupillendistanz eingestellt werden konnte. 1868/69 stellte die Firma Busch als erste Firma Brillengläser mit einer gleichmäßigen Tönungsschicht her. Dies wurde mit drei zusammengekitteten Schichten erzielt. Um 1870 begann man mit der Fertigung astigmatischer Brillengläser. Roderich Zeiss (Sohn von Carl Zeiss) arbeitete ab 1875 für kurze Zeit im kaufmännischen Bereich des befreundeten Betriebes Busch.

Das von Ihnen beschriebene Fernrohr könnte z.B. a) das Fernrohr "Therar", ein Handfernrohr mit 44facher Vergrößerung oder b) das Stativfernrohr "Preis" mit einer ZOOM-Vergrößerung von 44 bis 106fach sein. Die Firma Busch erzeugte meines Wissens nach wahrscheinlich bis zum 2. Welkrieg.

Literaturquellen:
1. Der perfekte Optiker, Haubold, 1920
2. Fremdwörterbuch für die Optik, Schulz-Radicke 1929
3. Schule der Optik, für Optiker, Okulisten und zum Gebrauch in optischen und mechanischen Werkstätten, Gleichen Alexander, 1914
3. Handbuch zur Geschichte der Optik, Ergänzungsband I Das Fernrohr, Schmitz Emil-Heinz, 1982
4. Handbuch zur Geschichte der Optik Band 3a-3b, XIX. Jahrhundert, Schmitz Emil-Heinz, 1981-1983

*Nachname des Leserbriefschreibers der Redaktion bekannt


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